Seit 2008 wird zurückgeritten!


So jubilierte Carsten Sostmeier nach dem Gewinn der Goldmedaille der Vielseitigkeitsreiter und weiter: „Seit 2008 wird zurückgeritten. Wir holen uns Gold. Gnadenlos.“  Und teilte damit Hitlers (Sports?)geist, der am 01.September 1939 den Krieg gegen Polen mit dem Satz begann: „Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen!“

Hat sich der mit dem Deutschen Fernsehpreis 2004 für seine Reportage des olympischen Dressurreitens ausgezeichnete Sostmeier nur vergaloppiert? Ging ihm der Gaul durch?

Es „tue ihm leid, wenn er für Irritationen gesorgt habe“, entschuldigte sich Sostmeier mittlerweile, also frei interpretiert: Sorry, Leute, für den falsch plazierten Satz, aber keinesfalls für meine Geisteshaltung.

Und ist Sostmeier also ein Einzelfall? – Er ist es nicht. Vieles in der Olympia-Berichterstattung  ist von einer rassistischen Grundhaltung geprägt, die vor allem gegenüber Sportler(innen) aus Asien so lange wiederholt wird, daß es kaum mehr auffällt beziehungsweise auf fruchtbaren Boden bei vielen Zuschauern trifft.  – Am Deutlichsten konnte es bisher in der lang anhaltenden Entscheidungsfindung im Degenfechten, die Britta Heidemann gegen Shin A Lam gewann. Sowohl Heidemann selbst als auch die meisten Reporter (am Wenigsten noch der recht faire Norbert König) entpersonalisierten Sin A Lam, indem sie von der „Asiatin“ oder wechselweise der „Koreanerin“ sprachen.  Irgendwie sind die Sportler(innen) aus Asien  keine Menschen, die Namen haben, sondern, wie die 2010 vom „Inneren-Reichsparteitag Miroslaw Kloses“ schwärmende „Reporterin Katrin Müller-Hohenstein nicht unerwartet beim Schwimmen nach Aufzählung verschiedener Sportlernamen ihren Satz schloss, da „warte ja auch noch die starke Chinesin“.

Auch das Doping wird ganz unterschiedlich gewertet. Sind es bei Europäern (West) vor allem individuelle Vergehen der einzelnen Sportler(innen), so beginnt das Staatsdoping in den Ländern Osteuropas und endet meist in Asien. Dort sind dann die Sportler (wie schon zu DDR-Zeiten) eigentlich nur Opfer der Systeme und schnappen uns in deren Auftrag die Medaillen weg.

Darüber vergißt man doch gerne, daß hier mit der Uni Freiburg eine ganze Wissenschaftsabteilung daran beteiligt war (oder noch ist?), die die Dopingpillen in großem Stil in  die deutschen Sportler(innen) verteilte. Und das dürfte nur die Spitze eines riesigen Eisbergs sein, die öffentlich bekannt wurde.

Das Tremolo, mit dem der Männer-Achter (Rudern)  seit 1988 als „Deutschland-Achter“ tituliert wird, wahlweise auch als „Flaggschiff der Deutschen“, sollte doch jedem, der in diesem unseren Lande noch sensibel für nationalistische Untertöne ist, zu denken geben.

Die Sprache der Berichterstatter, teilweise auch der Reporter, ist eindimensional. Da geht nicht nur jemand der Gaul durch, da jubiliert nicht nur ein innerer Reichsparteitag, sondern da wird ganz selbstverständlich ein feiner Unterschied zwischen den Sportler(innen) aus Europa und Nordamerika einerseits und den „Anderen“ gemacht. Auf eine sehr unsportliche und unangenehme Weise.

Nicht alle Sportler(innen) und Journalisten sind an derlei Übermenschentum und der gleichzeitigen Einsortierung der Sportler aus Asien beteiligt. Dankenswerterwesie gibt es auch noch den Ole Bischof, der seinen Bezwinger Kim Jae-Bum auch Kim Jae-Bum nannte, ihn umarmte und ihm von Herzen die Goldmedaille gönnte.

Hoffen wir, daß er damit ein Zeichen setzt, wie es ohne Nationalismus und Rassismus auch gehen kann. Das wäre dann der Sport, für den die olympische Idee tatsächlich steht: Es schweigen die Waffen, es kommt zum friedlichen Wettstreit.

 

 

 

Über hermanitou

I believe in evolution of all creatures. All creatures are equal. Man is rational. Love is essential. War is evil. Religion can be a value for some men or women, but without political or moral power. Everyone is free but responsible. Slavery is a crime!
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