Stuttgarter Bahnhofskult und der Widerstand gegen Atomkraft


Sowohl in Stuttgart wie auch in Gorleben gingen die letzten Wochen viele tausend Menschen auf die Straße.  Aber ist die gegenseitige viel beschworene gegenseitige Solidarität sinnvoll und richtig?

In Stuttgart geht es um ein zeitlich beschränktes Projekt, das für logisch und vernünftig denkende Menschen eine sinnvolle Zukunftsinvestition in – sagen wir mal – die nächsten 100 Jahre ist.

Vielleicht hat sich bis dahin der Focus weg von der Automobilität- mit -welchem Antrieb- auch- immer hin zum allgemeinen Schienenverkehr entwickelt, vielleicht gibt es aber dann auch ganz neue Fortbewegungstechniken… wir wissen es nicht, können aber annehmen, daß sich die Technologie rasant weiterentwickeln wird.

Insofern: Ein alter Schuppen, der für den Bahnverkehr in dieser Form nicht mehr tauglich ist, wird durch einen belastbareren Bahnhof ersetzt.

Wenn man nicht zu den Durchgeknallten gehört, die Bahnhof und Bäume samt Käfer und Fledermäusen zu Heiligtümern erklären und dort regelrechte Kulthandlungen inszenieren, wird man zustimmen können, daß die Auswirkungen auf die Zukunft der Menschheit, auch der Schwaben , äußerst geringfügig sein werden, ja, für die nächsten 2-3 Generationen sogar einige Vorteile bringen.

Anders sieht es aus, wenn wir über ein Endlager für hochradioaktiven Müll reden und in Frage stellen, ob angesichts der bisherigen kurzen Geschichte der Menschheit, die vor ungefähr 10.000 Jahren in einer schriftlichen bewußten Form begann (so etwa ab den Sumerern im Zweistromland), irgendeine Regierung glaubhaft die Verantwortung für die nächsten ungefähr 500.000 Jahre übernehmen kann und uns ebenso glaubhaft versichern kann, daß das Endlager in Gorleben oder anderswo diese Zeitspanne überdauert. Solange ungefähr braucht es, bis sich die Gefährlichkeit des Atommmülls halbiert…

Hier geht es ein Stück weit ( „ein Stück weit“ ist so eine Formulierung aus der Zeit, als ich noch bei den Grünen war und diese noch glaubwürdig waren..) um die Zukunft der Menschheit. Und damit um einen sinnvollen Widerstand gegen immer noch mehr unbeherrschbaren Atommüll.

Als Vater mehrere Kinder habe ich 1986 die Auswirkungen von Tschernobyl erlebt.  Die Reduzierung auf Trockenmilch und Konserven, verstrahlte Wälder und Spielplätze, Angst vor noch mehr radioaktiven Wind aus dem Osten. Und deshalb prangt auf der Sidebar meines Blogs die Atomkraft-Nein-Danke Sonne und deshalb bete ich keinen Bahnhof an.

Das eine tun, das andere lassen.  Den gesunden Menschenverstand mit am Tisch sitzen lassen. Das ist die Haltung gegenüber Bahnhofsromantikern und my way of life, der immer vom Widerstand gegen die Atomlobby geprägt sein wird.

Anti-nuclear protesters block train tracks near Harlingen, Germany in the early hours of the morning on November 8, 2010. After a weekend of heavy protests, which at times turned violent as police with truncheons charging demonstrators, protesters aimed to block a train carrying a cargo of nuclear waste from France to Germany to the underground storage facility in Gorleben in northern Germany. (JOCHEN LUEBKE/AFP/Getty Images)

Anti-nuclear protesters block train tracks near Harlingen, Germany in the early hours of the morning on November 8, 2010. After a weekend of heavy protests, which at times turned violent as police with truncheons charging demonstrators, protesters aimed to block a train carrying a cargo of nuclear waste from France to Germany to the underground storage facility in Gorleben in northern Germany. (JOCHEN LUEBKE/AFP/Getty Images)

An anti-nuclear protester places a firecracker under a police vehicle near Leitstade, northern Germany, on Sunday, Nov. 7, 2010. The activists are protesting against a castor train transporting nuclear waste that is underway from French La Hague to the nuclear interim storage plant in nearby Gorleben. (AP Photo/dapd, Axel Heimken)

Fotoquelle:  the big picture /Boston Globe

Über hermanitou

I believe in evolution of all creatures. All creatures are equal. Man is rational. Love is essential. War is evil. Religion can be a value for some men or women, but without political or moral power. Everyone is free but responsible. Slavery is a crime!
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3 Antworten zu Stuttgarter Bahnhofskult und der Widerstand gegen Atomkraft

  1. rainer kühn schreibt:

    Ich finde, ein sehr schöner Artikel, der die Verhältnisse und Größenordnungen zurechtrückt. Zudem kommen mir die Protestierer nicht so vor, als hätte ich jemals mit ihnen einen gemeinsamen Protestmarsch gemacht. Nicht einmal ein Stück weit …

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    • Hermanitou schreibt:

      Danke, Rainer.
      … Doch, mit einem kleinen Teil hast Du wahrscheinlich auch schon mal protestiert. Der Peter Grohmann z.B. ist ein alter Freund und Genosse von mir, der in Stuttgart „die Anstifter“ umtreibt… den kenne ich noch aus den 70ern, aus dem Stuttgarter Sozilaistischen Büro in der Neckarstraße. Aber die paar Sozialisten machen den Grad an Dummheit nicht wett, der da grad auf die Straße geht.

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  2. andreas_fecke schreibt:

    „Das große Problem der französischen Gesellschaft ist, dass sie die Hingabe liebt. Man gibt sich Sarkozy hin, man gibt sich der Linken hin oder einer revolutionären Idee. Man gibt sich sehr schnell hin, und man ist sehr schnell enttäuscht. Das macht aus der französischen Gesellschaft eine zerbrechliche Gesellschaft, eine sehr zerbrechliche. Auf unterschiedliche Weise ist das die deutsche Gesellschaft auch: sie liebt die Sicherheit. Die kleinste Unsicherheit destabilisiert die deutsche Gesellschaft völlig. Diese Zerbrechlichkeit unserer Gesellschaften ist gefährlich. In Krisenzeiten geht nicht immer die Demokratie als Siegerin daraus hervor. Darum müssen wir die positive Utopie wiederbeleben.“

    Das sagt der hie wie da umstrittene Daniel Cohn-Bendit.

    Stuttgart 21 hin, Atommüll her, wir haben es mit einem Demokratieproblem zu tun.
    Einverstanden mit allen Kritiken in diesem tollen Blog möchte ich alle „Gesinnungsgenossen“ mal nach Vorbild von Europe-Ecologie zu einem gemeinsamen Manifest
    einladen.

    Was uns trennt, kennen wir. Was haben wir gemeinsam, was könnte uns zusammenbringen, selbst uns Deutsche?

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