Frau am Ball


Martha spielt Fußball wie ein Mann dies tut, die Frauen praktizieren Manndeckung. Mannomann, schon wieder ein Fehlpass und Kampflesben sind das ja eh alle…

Frauenfußball steht – und das ist auch ein Ergebnis der Weltmeisterschaft in diesem unseren deutschen Lande – in Konkurrenz zum Männerfußball und wird mit diesem verglichen. Selbst die Sprache („Manndeckung“ ) wird hier zu eindeutigem sexuellen Anspiel. Und daß die Frauen heute nicht so weit sind wie die Männer wird damit entschuldigt, daß sie ja auch noch nicht so lange als Fußballerinnen akzeptiert werden.  Theo Zwanziger weist die Männertrainer der Frauenbundesliga in die Schranken und fordert, daß bei den Frauen keine „Männerstreitkultur“ entstehen soll und Sepp Blatter möchte – so in einem Interview vor der WM – doch, daß die Frauen sich so ab 26/27 Jahren auf ihre eigenentliche Werte und ihren Nutzen für die Gesellschaft besinnen, denn sonst „haben wir bald keine neuen kleinen Fußballer mehr.“ Wenigstens Blatter hat kapiert, daß das nicht alles Lesben sind.

Genug davon.  Wie wärs mit folgenden Gedanken:

Frauen denken anders als Männer. – Während Männer das Ergebnis sehen und alles dafür tun, schnell und unorthodox zu diesem zu kommen, kommen Frauen langsam, aber sicher auch zum Ziel. Schritt für Schritt, alles bedenkend ist ihre Denkweise (Sowohl bei Frauen wie auch bei Männern bestätigen Ausnahmen die Regel).

Ein Beispiel:  In einem Gitarrenkurs, den ich gab, lernten die Teilnehmer(innen) zum Spielen eines einfachen Liedes drei Griffe und eine Schlagtechnik.  Während die Männer nach kurzer Zeit alle Griffe unfertig spielten, aber das Lied als Gesamtes „irgendwie“vortragen konnten, übten die Frauen Griff für Griff. Das Ergebnis war erst mal nachrangig, wichtig war es, Schritt für Schritt das Lied zu entwickeln.

Die Männer arbeiteten anschließend an der Vervollständigung ihrer Grifftechnik und brauchten letztendlich etwa gleich lang, um in gleicher Qualität wie die Frauen das Lied vortragen zu können.

  • Akzeptiert man also, daß Frauen und Männer anders denken, dann kann man auch akzeptieren, daß Frauenfußball eine absolut eigenständige Sportart werden wird.

Warum das „werden wird?“

Louisa Necib

Nun, der bisherige Stil, in dem Frauen spielen, ist ein männlicher. „Kick and rush“ ist das Pendant zum oben genannten Beispiel:  Der Ball wird „irgendwie“ nach vorne gespielt und ein schnelles Ergebnis gesucht. Typisch männlich eben. Und so spielen die Deutschen (Urvater des deutschen Frauenfußballs ist ja auch Gero Bysanz) ebenso wie die meisten Frauschaften. Deshalb haben sie jetzt ihre Dominanz verloren.

Homare Sawa

Homare Sawa

Denn zunehmend gibt es den anderen weiblichen Spieltyp auf dem Feld: Der hält nicht so viel von Kick-and-rush und von Standardsituationen wie Freistoß – Ecke -stupides Reinflanken in den Strafraum, wie das Melanie Behringer gemacht hat und dabei die Inka Grings nie fand..

Spieltypen, die ihr weibliches Denken auch auf dem Platz verwirklichen, gab es bei Brasilien und Frankreich im Ansatz. Und es ist auch kein Zufall, daß es gerade diese Frauschaften waren, die ab und an einfach auch vergaßen, genug Tore zu schießen, weil sie so gut harmonierten und ein gepflegtes Kurzpassspiel bevorzugten.

Marta

Herausragend dabei – und das bleibt bei Männern und Frauen ein entscheidendes Element – waren dort die Spielmacherinnen Louisa Necib und Marta.

  • Spielen die nun wie richtige Männer? – Nein, sie spielen wie sehr gute Frauen!

Absolut gar kein Zufall ist die neue Weltmeisterin im Fußball, Japan.  – Auch hier eine herausragende Spielmacherin: Homare Sawa.

Aber dieses Kurzpassspiel, die halbhohe Hereingabe der gefährlichen Ecken, der ganz auf den zierlich-kleinen-weiblichen Körper zugeschnittene Spielstil, der sich dadurch auszeichnet, daß eben wenig nach nach vorne geschlagenen Bällen gesprintet werden muß sondern ein weibliches Kollektiv fast geschlossen nach vorne geht und wieder gemeinsam zurückkommt und (im Gegensatz zu Frankreich und Brasilien) trotzdem der Torerfolg mit Geduld, aber auch mit genial-weiblicher Spielweise erreicht wird, das ist der eigentliche Beginn des Frauenfußballs auf hohem Niveau:

Eigenständig, die eigenen weibliche Fähigkeiten und Grenzen ausnutzend und beachtend, jede eine Teamplayerin, die der Mitspielerin den Erfolg nicht neidet und bestenfalls vor-und nach dem Spiel herumzickt.

Hope Solo

Hope Solo

I confess- ich war auch für die USA.  Ich bewundere Hope Solo. ich mag Abby Wambach.  Ich mag den amerikanischen Spirit. Es hat halt nicht sollen sein. Here-we-go girls, the next time is your time!

Der deutsche Fußball hingegen war langweilig und stupid. Birgit Prinz zieht das gleiche Drama ab wie Michael Ballak, hier der beleidigte Platzhirsch, dort die beleidigte Hirschkuh. Lichtblicke waren Nadine Angerer und das Mulitikulti-Girlie Celia Okoyino da Mbabi.

Ob Silvia Neid die richtige Trainerin ist? Kommt darauf an, ob sie das Beste aus dem Weiberfußball der Japaner und der unbändigen Energie der amerikanischen Cowgirls mit den deutschen Frauentugenden verbinden kann. Eine Herkules- (also doch wieder Männer-) Aufgabe wartet da auf sie.

Abby Wambach

Abby Wambach

Ich freue mich auf weitere tolle Jahre mit japanischen, amerikanischen, schwedischen und französischen Frauen. Und Marta darf auch dabei sein. Sie ist schließlich die Urmutter der modernen Frau am Ball.




Über hermanitou

I believe in evolution of all creatures. All creatures are equal. Man is rational. Love is essential. War is evil. Religion can be a value for some men or women, but without political or moral power. Everyone is free but responsible. Slavery is a crime!
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