Gottlos in die Zukunft


Seit meiner Geburt werden Anschläge auf meinen Verstand ausgeübt, wird versucht, mein Gehirn zu manipulieren und mir wird eingeflößt, ich habe einem vor Jahrtausenden hingerichteten Guru zu folgen. Täte ich das nicht, so drohe mir die Hölle.

Begonnen hat das Ganze bereits, als ich, wenige Wochen alt und nichts Böses ahnend, in ein riesiges kaltes Gebäude getragen wurde, dort von einem schwarz gekleideten Mann, der eintönig vor sich hinleierte, erst eingelullt und dann mit kaltem Wasser abgeschreckt wurde, so wie Nudeln, die kurz vor dem Servieren kaltgemacht werden, um dann al dente verspeist werden zu können. Anschließend läutete man mir auf dem Heimweg die Ohren voll, so daß schon dort mein heutiger Tinitus früh gefördert wurde.

Die Männer im schwarzen Dress begleiteten dann meine Kindheit und Jugend. Wenn ich nicht in ihre heiligen Hallen mit dem in den Himmel zeigenden Stinkefinger ging, setzte es Drohungen, daß ich an irgendeinem letzten Tag, den niemand so genau datieren konnte, von irgendeinem finalen Gericht in ein Fegefeuer abkommandiert werden würde und dort auf ewig zu schmoren hätte.

Verschärfend bekam ich noch auf dem Gymnasium Schläge mit dem Lineal oder Kopfnüsse, wurde an den Ohren gezogen oder nachmittags in den Arrest gesperrt, besonders dann, wenn mein Verstand mich zum Widerspruch im sogenannten Religionsunterricht trieb.

Religions-und Konfirmationsunterricht waren Märchenstunden. Zwar nicht die aus tausendundeiner Nacht, sondern Märchen, die mich und meine Freunde dazu trieben, die meist schlecht vorgetragenen Stories dadurch erträglich zu machen, indem wir Papierbolzen formten und  die scheinheiligen Streber in den ersten Reihen beschossen, den Mädchen in ihre jungen Ärsche zwickten und sie so zum entsetzt-entzückten Kreischen brachten oder auch mal das ganze scheinheilige Brimborium mit Stinkbomben und Silvesterkrachern aufmischten. Was meist zu erneuten Strafmaßnahmen der Pfaffen führte, die die Nächstenliebe damit in ihrem ganz eigenen Stil praktizierten.

Während ich sehr bald wußte, daß die kleinen Buben und Mädchen durch einen gemeinsamen (meist vergnüglichen) Akt von Frau und Mann produziert werden, beharrten die mit mir befassten Lehrer, Pfaffen und Pfadfinder darauf, daß es der Stab Gottes war, der in Maria hineinfuhr und sie somit völlig unschuldig an der Geburt von Jesu Christ sei, in dessen Namen in den nächsten zwei Jahrtausenden Millionen von Menschen verdummten, verarmten, verhungerten, vergewaltigt und verbrannt,  verurteilt und gefoltert, gekreuzigt und gemordet wurden.

Auch sollte ich glauben, daß dieser Guru, der annodazumal in Palästina unterwegs war, Tote wiedererwecken konnte, mit ein paar altbackenen Broten und ein paar faulen Fischen 5000 Menschen sättigte (wahrscheinlich hatten die angesichts des abgelaufenen Verfalldatums schlicht und einfach keinen Bock auf sein Angebot) und schließlich nach seiner Ermordung wiederbelebt wurde und dann erneut an seiner Legende stricken durfte.

Nun, tot ist tot, allenfalls Zombies ( einer meiner Lieblingsfilme ist immer noch die „Nacht der reitenden Leichen“) und Vampire (wenn sie so sexy sind wie Sharon Tate in „Tanz der Vampire“) vermögen mich zu begeistern, aber nicht der Lattengustl, der seit damals an nahezu jeder Wegkreuzung von Bayern bis Kärnten den arglosen Passanten auflauert. Ich hörte, er sei auch in der Mitte und im Norden der Republik zu finden, außerdem kruzifixe er in vielen Schulklassen und Gemeindezentren von der Wand herunter.

Bei den Pfadfindern lernte ich dann auch die militärisch auftretenden Idioten kennen, die sich gerne mal an den kleinen ihnen anvertrauten Wöflingen vergriffen. –  Da hielt es mich auch nicht lang und ich kehrte den Glocken, den Kruzifixen, den Bibelgreisen, den Märchenerzählern und den Herren mit den eingeklemmten Schwänzen und völlig verklemmten Moralvorstellungen den Rücken, ergötzte mich an Marx, Engels und Lenin und entwickelte meine ganz eigenen Vorstellungen vom demokratischen Sozialismus.

Mein Verstand hatte, ich weiß auch nicht (vor allem angesichts vieler Freunde, die heute gottesfürchtig das Ende der Welt erwarten) so recht warum, das ganze Brimborium überlebt.

Heute schaue ich ungläubig auf die Herren, die sich damit brüsten, Islamunterricht in den Schulen eingeführt zu haben, die Verständnis für  Judenhasser haben, die es so gut verstehen können, daß die moslemische Welt Kopfgelder auf Ungläubige aussetzt, Botschaften stürmt und Menschen mordet, Atombomben zur Vernichtung Israels entwickelt und die Scharia weltweit einführen will. Wie ähneln sich doch die Religionen. Kopf ab zum Gebet auf der einen Seite, Auge um Auge und Zahn und Zahn im alten Testament.

Demnächst darf das hier auch nicht mehr geschrieben und beschrieben werden, denn es könnte ja die religiösen Gefühle von Christen und Moslems beleidigen und dazu führen, daß diese ihre Bluthunde wieder loslassen und ihre Höllen auf Erden schon verwirklichen. Global. Unisono.

Ich bin halt so richtig abgehärtet, denn keine der mir angedrohten Höllen passt auf mich. Weder die muslimische noch die christliche. Ich falle durch alle Gitterroste ihrer Teufel, die mich Ungläubigen grillen wollen, durch.

Mein Verstand sagt mir, daß die Menschheit nur eine Chance auf Zukunft hat, wenn Religionen, die missionarisch auftreten, aus dem öffentlichen Leben verbannt werden und nur noch in den Oberstübchen der an sie Glaubenden stattfinden dürfen.

Wichtig für mich ist folgendes Bekenntnis, das ich niemand aufzwinge, sondern nur ab und zu mal bekannt gebe:

I am convinced of the evolution of all creatures.

All creatures are equal. Man is rational.

Love is essential. War is evil.

Religion can be a value for some men or women, but without political or moral power.
Everyone is free but responsable.

Slavery is a crime!

Über hermanitou

I believe in evolution of all creatures. All creatures are equal. Man is rational. Love is essential. War is evil. Religion can be a value for some men or women, but without political or moral power. Everyone is free but responsible. Slavery is a crime!
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