Reiterurlaub in Bayern / Riggerding – Vorsicht dabei: „Mir san mir…


…und alle anderen sind blöd.“ – Sollten Sie einmal vorhaben, einen Reiturlaub im bayrischen Wald zu verbringen, dann hüten Sie sich am Besten vor der kleinen Ortschaft Riggerding.

Der dortige Reiterhof macht Werbung  – durchaus gekonnt – für sein preisgünstiges vielfältiges Angebot. Der Haken dabei: Fast nichts davon findet wie angekündigt statt.

Die sonst allgemein verbreitete Ausländerfeindlichkeit wird in Riggerding verfeinert auf jeden, der dort im Ort nicht geboren ist. Also zählen besonders Urlauber dazu, die wohlgelaunt am Morgen zum angekündigten Reitunterricht und zum Ausritt in Wald und Flur erscheinen.

Nach einem Frühstück, das sich vor allem dadurch auszeichnet, daß man sein Gedeck zwischen schon gebrauchten Tellern und Tassen selbst zusammensammeln muß und man, wenn man Glück hat, den einen oder anderen Aufstrich noch erwischt, während der Orangensaft schon leer und der Kaffee maximal lauwarm ist, beginnt der Tag pünktlich um neun Uhr mit einer anderthalbstündigen Wartezeit, bis man ein Pferd zugeteteilt bekommt.

Mitsamt einer Reitlehrerin, nennen wir sie mal Susi, die dem überraschten Reiter erst mal klarmacht, daß er nichts, aber auch gar nichts richtig machen kann, weder beim Pferd striegeln noch beim Satteln oder Zaumzeug anlegen. Der Ton ist rauh, aber unfreundlich, denn darauf hat man sich ja gefreut und eine Menge Geld bezahlt, oder?

Aufsteigen kann der Reitergast, der schon etliche Stunden in Irland und Schwaben im Sattel saß, natürlich auch nicht selbst und – sitzt er dann mal im Sattel, wird ihm im bewährten bayrischen „Mir-san-mir“-Stil mitgeteilt, daß auf diesem Hof nicht getrabt wird, er auf jeden Fall die Füße vom Pferd zu lassen habe sowie die Zügel bestenfalls mal zur Dekoration in die Hand nehmen dürfe.

Und dann gehts los. Ohne Reitunterricht. Denn der findet nicht statt. Stattfindet stattdessen ein sogenannter Ausritt, der sich dadurch auszeichnet, daß zehn konsternierte Reiter hinter der weiblichen Bayern-Domina her(sch)reiten, die den Tag damit verbringt, alle paar Minuten irgendwelche Anweisungen, die teilweise an Schwachsinn grenzen, nach hinten zu bellen. Nebenbei rutschen zwei Sättel von den Pferden, eines geht durch und das Wort Sorry kennt die Susi natürlich nicht. Offensichtlich ist sie mit den auf dem Hof befindlichen Hunden verwandt, die im Gegensatz zu den Pensionsgästen von der Bäuerin höchstselbst mit Wurstbrot verwöhnt werden…

Nach mehreren Stunden, bei denen es verboten ist, mit Partnerin oder Kindern zu kommunizieren, indem man nebeneinander reitet, kehrt die Gesellschaft dann wieder auf den Hof zurück. Hinter ihr liegt ein stundenlanges Gekeife von Horse-Commander Susi, die den Teilnehmern damit einen Tag lang klar gemacht hat, daß bestenfalls ihr Geld, sie selbst aber nicht willkommen sind.

Erleichtert begibt sich der Gast dann in den direkt nebenliegenden Gasthof, der damit wirbt, drei Sterne zu besitzen.

Und auch hier wird unmißverständlich klargestellt, daß auch Auswärtigen das Recht auf eine Grundnahrung zusteht. Diese kostet dann wie anderswo ordentlich Euro, aber es wird natürlich nur das Notwendigste serviert.  Der ofenfrische Schweinebraten mit Knödel und Salat ist dabei ein echtes bayrisches Touri-Schmankerl:  Der Salat besteht aus einem grünen Ensemble mit Runke und Stiel sowie Karotten aus der Dose und wird serviert mit leckeren Fertig-Pfanni-Knödeln und Fertigsoße. Das Schwein schien allerdings echt zu sein. Noch mal Schwein gehabt und: Wohl bekomms!

Völlig unbeeeindruckt von jeder Kritik bayert der Hofbesitzer in Riggerding vor sich hin und wundert sich vermutlich, daß die meisten Reiturlauber nur einmal und dann nie wieder kommen.

„Jo mei – mir sand halt mir und alle andern sand halt bled, net wohr?“





Über hermanitou

I believe in evolution of all creatures. All creatures are equal. Man is rational. Love is essential. War is evil. Religion can be a value for some men or women, but without political or moral power. Everyone is free but responsible. Slavery is a crime!
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