Gaza-Hilfsflotte: Gezielte Provokation?


Nachdem man angesichts vieler Toter und Verletzter auch hier in Deutschland schnell dabei ist, zu urteilen und Israel an den wohlbekannten  Pranger zu stellen, sollte doch hinterfragt werden, wer denn hinter dieser Flotille steckt, die versucht hat, die israelische Blockade zu durchbrechen. –  Die Vermutung liegt dabei nahe, daß es den Aktivisten weniger um humanitäre Hilfe, vielmehr um eine gezielte Provokation gehandelt hat.

„Eine gewalttätige Antwort Israel würde der Palästina-Solidaritäts-Bewegung neues Leben einhauchen und die Aufmerksamkeit auf die Blockade lenken.“ (n-tv)

  • An der Einweihungszeremonie der Flotille  in der Türkei nahmen auch Mahmad Tzoalha und Sahar Albirawi, beides Top-Terroristen der Hamas, die heute von Großbritannien aus operieren, und Hamam Said, ein Führer der Muslimbruderschaft in Jordanien teil.
  • Unter den Aktivisten ist auch der ehemalige Erzbischof Hilarion Capucci. Der wurde 1974 wegen „Waffenschmuggel an Terroristen“ in Israel verhaftet und zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt.
  • Das israelische Außenministerium nahm am 24.05.2010 folgendermaßen zum Schiffskonvoi Stellung:

www.youtube.com/watch?v=XH5chDg_GvM&;feature=player_embedded

Darin heißt es:

“Schiffe, die ihren Weg nach Gaza erzwingen wollen, helfen den Menschen dort in keiner Weise. Die bestehenden Übergänge an Land sind mehr als ausreichend, ihren Bedarf zu decken. Internationale Hilfsorganisationen und private Anbieter in Gaza stellen sicher, dass notwendige Lebensmittel, Medikamente und Kleidung über Israel in den Gaza-Streifen gelangen.

In einer normalen Woche werden 15.000 Tonnen Versorgungsgüter in den Gazastreifen übersandt. LKW-Ladungen Fleisch, Geflügel, Fisch, Milchprodukte, Früchte, Gemüse, Milchpulver, Babynahrung, Weizen und andere Ware kommen täglich in Gaza an. Baumaterialien werden ebenenfalls nach Gaza überstellt, sofern dies von internationalen Organisationen überwacht wird, damit sie nicht von der Hamas zur Verstärkung von Munitionslagern verwendet werden.

Seit dem Waffenstillstand im Januar 2009 sind weit mehr als eine Million Tonnen Versorgungsgüter aus Israel in den Gaza-Streifen überstellt worden – das ist fast eine Tonne für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind im Gazastreifen.“

  • Die Flotille sebst wurde rechtzeitig durch die IDF gewarnt. Dokumentiert ist dies auf youtube:

www.youtube.com/watch?v=P6jDIQr59Sk&;feature=player_embedded.

…Die Kapitäne der Schiffe des Konvois „Befreit Gaza“ wurden aufgefordert, abzudrehen und sich nicht in das gesperrte „Kriegsgebiet“ hineinzubegeben. Als der Kapitän des türkischen Schiffes „Mavi Marmara“ mit rund 500 Aktivisten an Bord „negativ, negativ“ antwortete, kam der Befehl zum gewaltsamen Entern des Konvois. Hunderte israelische Soldaten erklommen die kleineren Boote mit Leitern, während andere von Hubschraubern abgeseilt wurden.

Nach israelischen Darstellungen hätten sich die Demonstranten mit „langen Messern“ und anderen „Waffen“ auf die Soldaten gestürzt und versucht, sie zu lynchen. „Wir begegneten einer präzedenzlosen Gewalt von Seiten dieser sogenannten Friedensaktivisten, die wohl eher als Semi-Terroristen bezeichnet werden müssten“, sagte Avi Benijahu, der oberste israelische Militärsprecher.

Ein israelischer Militärreporter berichtete, dass die Soldaten lange Zeit die Übernahme trainiert hätten. … Die Soldaten seien jedoch „völlig überrascht“ worden von einer offenbar vorgeplanten Gewalt mit Waffen, die rechtzeitig an Bord gebracht worden seien. Die Spezialeinheiten hätten auch nicht mit einem Versuch der Friedensaktivisten gerechnet, gelyncht zu werden. „Die Soldaten hatten das Gefühl, lebensgefährlich bedroht zu sein. Deshalb reagierten sie mit ihren Waffen.“

Einem Soldaten sei die Waffe entwendet worden. Die Friedensaktivisten hätten diese dann mit scharfen Schüssen gegen die Streitkräfte gerichtet.

„Die Soldaten wurden nicht durch Schüsse verletzt“, sagte ein Arzt.
Am Mittag wurden im israelischen Fernsehen Filmszenen gezeigt, auf denen deutlich zu sehen war, wie einer der Friedensaktivisten in roter Schwimmweste mit einem langen Messer auf einen Soldaten einsticht. Ein Soldat wurde von der Brücke auf ein unteres Deck herabgestoßen, zwei retteten sich mit einem Sprung ins Wasser, berichtete der Reporter Amir bar Schalom, der die Truppen begleitete. Zwei Soldaten seien zu Beginn der Aktion durch Schüsse in den Bauch und ins Knie verletzt worden. Erst danach hätten die Soldaten die Genehmigung erhalten, ihre Schusswaffen einzusetzen.“

  • Interessant und beeeindruckend ist auch die Auflistung der Lieferungen nach Gaza, die das israelische Außenministerium veröffentlicht hat:

www.mfa.gov.il/MFA/About+the+Ministry/Behind+the+Headlines/Israeli_humanitarian_lifeline_Gaza_25-May-2010.htm

  • Die irische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Corrigan-Maguire befindet sich offensichtlich in (auch) schlechter Gesellschaft, was ihr Engagement für die „Free Ghaza“ Flotille angeht.

Unterstrichen werden kann allerdings hier ihre Aussage:

„Was Angriffe und Gewalt verhindern wird, ist ein Friedensabkommen zwischen den beiden Völkern, und ich bin sicher, dass das israelische Volk, ebenso wie das palästinensische, Frieden will“.

a gaza market  in september 2009
Ein Gaza- Markt im September 2009

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Sind wir Lena?


Ein dermaßen flaches Gehüpfe und Gesingsel ohne Sinn und Verstand habe ich mir gestern abend nur angetan, damit ich obige Frage stellen kann.  Denkt man sich nun die Windmaschine und die Light-Show weg, so bleibt ein Haufen schnulziger Liebes-und Weltschmerz übrig.

Schon früh konnte Mann sich dann auf das Beste konzentrieren. Einige der Girls waren echt sexy und gut anzuschauen, so daß man über ihre dünnen Stimmchen hinweggetröstet wurde. Eva Rivas und Alyoscha sind wirklich was fürs Auge.

Und sind wir nun Lena?  Sicherlich, besser als „wir-sind-Papst“ ist es allemal.

Das ist halt ein neuer Kleister auf die deutsche Wirklichkeit, in der die wirklichen Lena/Linus-Menschen vor allem damit beschäftigt sind, gerade irgendwie mal durchs Leben zu kommen.

Lenas sind dabei noch unterbezahlter als die Linusse und statt Träume von einer sozial(istischen) Gesellschaft gaukelt man ihnen vor, daß sie ja alle individuell Model oder sonst-ein-Star werden können. Bei Heidi Klumm oder im Holt-mich-hier-raus-Dschungel.

Es sind die Wettbewerbe der herrschenden Klasse, die da inszeniert werden und – je perfekter in ihrer Performance sie vorgetragen werden –  desto mehr verdecken sie eine Welt, in der immer mehr Menschen verarmen und die Natur den Bach runter geht.

Nichts mehr und nichts weniger wurde gestern in Szene gesetzt.

www.eurovision.tv/page/news?id=18063&;_t=GERMANY+WINS%2C+SEE+FULL+RESULTS!

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Warum alle plötzlich den FC Bayern lieb haben….


Warum alle plötzlich den FC Bayern lieb haben….

Es wäre ja jetzt billig, nach  dem heutigen Spiel, daß die Bayern mit einer 70/30 Chance gewinnen können, in den Jubel um die Krachledernen einzustimmen. Deshalb eine Ursachenforschung hier:

„Ich würde nie zum FC Bayern München gehn“, intonierten vor einigen Jahren die Toten Hosen. Toll.  – Tot waren sie für mich spätestens, als ihr Leadsänger sich kurz darauf mit dem Uli Hoeneß verbrüderte.  Und ehrlich:

Im Fußball und im deutschen Westen standen die Bayern, schon als ich jung war ( ist schon eine Weile her…) für Großkotzigkeit, Gewinnsucht, Arroganz und Kapitalismus.

Mönchengladbach mit Trainer Weißweiler dagegen und mit den „linken Spielern“ (Ewald Lienen gegen Berufsverbote und für den Krefelder Appell etc.) stand für Spielkultur, Kreativität und war underdogmässig einfach nur sympathisch.

Und als Klaus Toppmöller seinerzeit „Bye,Bye Bayern“ aus sich herausschleuderte, da sprach er (zumindest heimlich) mindestens 90% aller Fußballfans aus dem Herzen.

Und dann St.Pauli. Wie die die Bayern im Pokal abzockten. Ich saß vor der Glotze und schwenkte zur Freude meiner Kinder inbrünstig die Piratenflagge.

Heute? Heute haben wir einen Paradigmenwechsel.

Geiz ist geil.

Geil ist es, wenn die Millionarios, nachdem sie poor-boy- Klinsmann nach Kalifornien, wo es nie regnet, sondern nur in Strömen gießt, zurückschickten, das deutsche Volk wieder an die erste Stelle in Europas Fußballwelt schießen.

Dem Yogi-Bären mit seinen müden ohne Ballack antretenden Kickern trauen wir keinen Husarenritt in Südafrika zu, deshalb richtet das der FC Bayern für uns.

Und deshalb haben wir Deutschen den FC Bayern jetzt lieb.  Und der Hoeneß, letztes Reliquie aus der Zeit, als wir die Bayern noch aus vollem Herzen hassen durften, ist nun Präsident und darf nur noch manchmal den Anti-Typ geben.

Die Bayern – die sind nun eine Familie.

Selbst der ungezogene, vermutlich mit minderjährigen Gören schlafende Frank Ribery hat sich für eine unanständig hohe Euro-Summe verpflichtet, Papa Hoeness und dem Rummenigge Karl Heinz  die Treue zu halten. Womit wiederum bewiesen wäre, daß die meisten Ehen nicht aus Liebe (wer liebt auch schon Hoeneß?) sondern aus Gewinnsucht geschlossen und verlängert werden.

Geiz ist geil.

Und der FC Bayern ist halt derzeit alles, an dem wir Normalos uns orientieren können.

Und was gab noch mal der Hoeneß-Uli dem Klinsmann mit auf den Rückzugsweg?

It never rains in California, but boy, don’t they warn you: It pours, klinsi, it pours!

Die Sonne, die scheint halt nur in München. Beim FC und der CSU. Gell?

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Und was machst Du jetzt? – Desintegration Fußball


Sport verbindet ja und Dabeisein-ist-alles. Tatsache aber ist, daß vor allem im Deutschen Fußballbund eine große Anzahl von Vereinen existiert, die sich über ihr Herkunftsland definieren: Sie heißen Türk Gücü oder Birumut, Leoes de sport, Liljan oder Sloga.


Parallel zu deutschen Traditionsvereinen, in denen auch in den sozialen Brennpunkten der Städte die Jugendarbeit von den Bambini bis zur A-Jugend stattfindet, werden Migrantenvereine  in den Spielbetrieben der (meist) unteren Fußballklassen geduldet.

Konflikte entstehen bereits dadurch, daß die meisten der Migrantenvereine selbst keine systematische Jugendarbeit betreiben. Sind junge Spieler aber entsprechend gut ausgebildet und talentiert, so wird oft die nationale Karte gezogen und kräftig abgeworben.  Ein durchaus typischer Vorfall sieht so aus:

„Gökhan und Michael sind dicke Freunde. In der Schule sitzen sie nebeneinander. Die Nachmittage verbringen sie meistens miteinander.
Und beide sind verrückt auf Fußball. Sie spielen in der B-Jugend und gelten als Traumpaar.
Gökhan spielt im Mittelfeld, verteilt Bälle und bereitet viele Tore vor. Michael kann zwar lange nicht so gut mit dem Ball umgehen wie Gökhan, aber er hat einen tollen Torriecher.
Eines Nachmittags kommt Gökhan mit verheultem Gesicht zum Fußballplatz.
„Was ist denn los?“, fragt Michael. Gökhan setzt sich wortlos auf den Rasen.
„Nun sag schon!“ „Ich darf nicht mehr hier spielen“, murmelt Gökhan.
Michael glaubt, nicht richtig gehört zu haben. „Was hast du gesagt?“
„Ich darf nicht mehr hier spielen!“, schreit Gökhan und heult wieder.
Michael starrt seinen Freund fassungslos an.
Ein paar andere Jungen kommen und wollen wissen, was passiert ist.
„Wieso darfst du nicht mehr hierspielen?“, fragt Michael. „Wer sagt denn das?“ „Mein Vater“, antwortet Gökhan.
„Sie haben einen türkischen Verein gegründet, und jetzt müssen alle türkischen Jungen in diesem Club spielen.“
„Ahmet und Dardan auch?“, fragt einer der Jungen.
„Alle“, wiederholt Gökhan. „Das geht doch nicht!“ ruft einer.
„Die können unsere Mannschaft doch nicht einfach auseinander reißen.
Ohne euch steigen wir ab.“ „Das ist meinem Vater egal“, meint Gökhan.
„Der will, dass Türken nur noch in türkischen Mannschaften spielen.“
Die Jungen stehen ziemlich ratlos herum.
„Und was machst du jetzt?“

Alleingelassen und aufgerieben zwischen deutscher Realität und fremder Herkunft:
Das ist die eine Seite der alltäglichen Sport-Parallelgesellschaft.

Die andere Seite läßt sich aus der kommunalen Sportpolitik betrachten: Bei der Vergabe von Sportplätzen gibt es – vorsichtig gesagt – einen deutlichen Standortvorteil für deutsche Traditionsvereine. Migrantensportvereine haben es deutlich schwerer, zu einem eigenen Platz zu kommen.

Dasselbe gilt für die Mitgliedschaft in den kommunalen Sport-Dachverbänden. Dort wird der große Kuchen der Zuschüsse und Übungsleiterpauschalen verteilt. Selten bis gar nicht sind hier die Migranten-Sportvereine zu finden.

Fazit:

Sport – insbesondere die Mainstream-Sportart Fußball, ist beileibe nicht immer integrierend. Vielmehr deutet die große Anzahl von Migranten-Sportvereinen und der nicht immer spannungsfreie Spielbetrieb deutlich darauf hin, daß die Integration noch einen langen Weg vor sich hat.

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Deutsche Bildungsdefensive


Deutsche Bildungsdefensive

Kinder sind unsere Zukunft – so tönt es von den Regierungsbänken in Bund und Ländern, aus den Parteizentralen, Fraktionsbüros, aus Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften, Kirchen und sozialen Einrichtungen. Die Pisa-Studien, die Deutschland in großer Regelmäßigkeit seit 2000 schocken, führen in diesem Zusammenhang zum lauten Ruf einer Bildungsoffensive. Nirgendwo sonst weltweit wurde ein größerer Zusammenhang zwischen Elternhaus und schulischem Erfolg nachgewiesen als in Deutschland.

Ungleiche Startbedingungen beginnen bereits im Vorschulalter:

Kinder mit massiven Verhaltensstörungen und damit verbunden mit früher medikamentöser Abhängigkeit (Stichwort Ritalin & Co) nehmen zu, Migrantenkinder mit bilingualer Problematik ( weder Muttersprache noch Landessprache werden gut beherrscht) und allgemein Kinder mit Spracharmut ( wenig Kommunikation im Elternhaus, dafür viel Fernsehen) und sozialen Defiziten ( Schlüsselkompentenzen wie Teamfähigkeit und Lösungsorientiertheit fehlen) haben von Beginn an schlechte Vorraussetzungen, um in Bildung und Beruf mithalten zu können. Auch die fehlende Integrationsfähigkeit der deutschen Gesellschaft sowie der fehlende Integrationswille eines gößeren Anteils von Migranten spielen eine unheilvolle Rolle.

So ist die Einführung von Bildungs-und Orientierungsplänen in der Vorschule, wie sie nun bundesweit anvisiert werden durchaus ein guter Ansatz, die Grundbedingungen aller Kinder zu verbessern. Das begrüßen nicht nur Pädagogen aus Vorschule und Schule, sondern auch z.B. Arbeitgeberverbände wie Südwestmetall, die hier aus durchaus egoistischen Motiven sowohl eine Verbesserung des Betreuungsangebotes ( Betreuungsplätze für alle Kinder ab einem Jahr) fordern wie auch die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen durch gezielte spielerische Angebote. Auf dem Stuttgarter Arbeitgeberkongreß „Invest in future“ 2008 sprach dann folgerichtig der zuständige Referent für Bildungsarbeit, Stefan Küpper, nicht von „Kindern“, sondern von der Bildung und Verfügbarkeit des  “ Humankapitals“.

Genauso wichtig ist das lebenslange Lernen, das immer beschworen wird. Dies scheitert derzeit immer wieder an der völligen Unbeweglichkeit des dreigliedrigen Schulsystems einerseits wie auch der mangelnden Kooperation Kindergarten-Schule andererseits. Bildungshäuser, in denen Lehrer und Erzieher gemeinsam mit weiteren Fachkäften (Ergotherapeuten, Heilpädagogen, Logopäden etc) Kinder von Anfang an die Lust an der Bildung und am Lernen vermitteln, kommen über einen Modellstatus nicht hinaus.  Das dreigliedrige Schulsystem wird sowohl von konservativen Parteien und Kirchen verteidigt wie auch von Philologenverbänden und Gucci-Eltern (siehe Hamburg).

Kinder aus Förder-und Hauptschulen landen daher in den berühmt-berüchtigten Warteschleifen von Berufsvorbereitungsjahren und als Dauerpraktikanten in immer wechselnden Projekten der Agentur für Arbeit und der Wohlfahrtsverbände.  Zunehmend schildern Kinder, die es „nur“ in die Hauptschule geschafft haben, daß sie später mal „Hartz 4“ werden.

Mehr als minderwertige Aushilfsjobs, Warteschleifen und Dauerpraktikas hat die deutsche Gesellschaft einem wachsenden Teil ihrer Kinder nicht mehr anzubieten. Wundert es eigentlich irgend jemand, daß diese Kinder bereits frühzeitig Schulschwänzer werden?

Schaffen es wieder Erwarten doch auch einige Kinder aus Familien mit geringem Einkommen, vielleicht auch aus Familien mit Migrationshintergrund aufs Gymnasium, so scheitert dann wieder ein Teil beim Übergang zum Studium, denn Familien mit Hartz4 können ihren Kindern in aller Regel weder Führerschein, Studentenwohnung oder  Fahrtkosten in eine  andere Stadt bieten, geschweige denn das ab Gymnsium vorausgesetzte Macbook, Internet und Studien-und Verwaltungskostengebühren, die pro Semester dann bis zu knapp 650.-€  betragen können.

Kehren wir zurück zur Bildungsoffensive von Politik und Gesellschaft.  So wurde beispielsweise mit großem Getöse der Orientierungsplan in Öttingers Kinderland Baden-Württemberg für Vorschulkinder entwickelt, mangels verfügbarem Geld allerdings nie in Kraft gesetzt.  Auch verbesserte Aus-und Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte wurden zwar angekündigt, scheitern aber an den regelmäßig anfallenden Kosten für Fachschulen etc.

Stattdessen versucht man Eltern und Schülern die Betreuung und den Unterricht durch fachfremde Kräfte, die „erfahren“ sind, schmackhaft zu machen. Auf gut Deutsch:  Durch unausgebildete Hausfrauen und irgendwie reaktivierte Rentner.

Und schon – war es eigentlich anders zu erwarten? – nagen die ersten Köche am dicken Knochen  „Rechtsanspruch auf  Betreuung für Kinder unter drei Jahren“.   Stattdessen entwickeln viele Oberbürgermeister eine neue Lieblingsidee, die da lautet, man könne doch Kinder schon ab 4 Jahren einschulen… Ein Schelm, der Böses dabei denkt und damit an den Wegfall vieler Kindergärten und Personalkosten, die sich die Kommunen dadurch sparen.

Schaut man dann noch auf die mehr als laue und niveauarme Umsetzung von Ganztagsangeboten für Schüler, das sich oft in der bloßen Bereitstellung von Aufenthaltsräumen erschöpft, dann kann konstatiert werden, daß deutsche Bildungspolitik konzeptions-und lieblos ist  und sich an den Bedürfinssen und Möglickeiten der Wohlhabenden orientiert.

Bertolt Brecht schrieb in seinem „Lob des Lernens“:  „Was Du nicht selber weißt, weißt Du nicht. Prüfe die Rechnung, Du mußt sie bezahlen. Lege den Finger auf jeden Posten, frage: Wie kommt er hierher?“

Fazit:
In einer Zeit, in der es Rettungsschirme mit unvorstellbaren Milliardensummen für Bad Banker, für den armen Euro und bankrotte Staaten gibt, ist Bildung für alle nicht gewollt. Denn alle könnten sonst den Finger auf jeden Posten legen und Rechenschaft einfordern.



P.S. Der Schreiber ist mehrfacher Vater mit studierenden Kindern sowie  Kindern in Warteschleifen. Er ist zudem Mitautor des Orientierungsplans BaWü und leitet eine Kindertagesstätte im Süden Deutschlands.

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