Absurdistan: Taliban richten Bibi Sanawbar hin


Eine 40-jährige Witwe mußte sterben, weil sie schwanger war. Die Taliban konstatierten eine unerlaubte Affaire und richteten Bibi Sanawbar – nachdem sie vorher ausgepeitscht wurde – hin. Der Vorgang wirft Fragen auf und läßt einiges an Rückschlüssen zu:

Zum Einen wird wieder einmal deutlich, daß es in Afghanistan eine parallele Justiz gibt. Offensichtlich herrscht in weiten Teilen die Sharia. – Daraus läßt sich unschwer schließen, daß die westlichen Besatzungstruppen die Lage keineswegs im Griff haben, sondern es weite Teile in Afghanistan gibt, die von den Taliban beherrscht werden.

Anders läßt es sich wohl kaum erklären, daß Bibi Sanawbar in einem „öffentlichen Prozeß“  in der westafgahnischen Provinz Badghis verurteilt wurde.

Zum Anderen – so berichtet das Hamburger Abendblatt, haben die Taliban ihre Verantwortung dafür abgelehnt: „Wer auch immer das getan hat, gehört nicht zu den Taliban“, sagte deren Sprecher Kari Mohammed Jusuf.

  • So kommen wir also zum detaillierten Dementi der Taliban selbst, das auf ihrer website nachzulesen ist. Es ist an Absurdität und Unmenschlichkeit nicht mehr zu überbieten:

Der Vorgang der Auspeitschung und des Erschießens sei „grotesk“.   Und dann wird die interessierte Weltöffentlichkeit darüber belehrt, daß die Witwe Bibi Sanawbar nach wie vor als verheiratet gelte und deshalb nicht ausgepeitscht und erschossen, sondern gesteinigt worden wäre. – Als unverheiratete Frau hätte sie nur „100 Peitschenhiebe“ erhalten.

Generell würden unverheiratete Paare, die beim Sex erwischt werden, ausgepeitscht werden, verheiratete Fremdgeher hingegen beide gesteinigt.

So die Belehrung der Taliban.

Ich schließe mich der Befürchtung von amnesty international und anderen Menschenrechtsorganisationen an, die befürchten, daß die Menschenrechte -speziell Rechte der Frauen – in den Verhandlungen, den Abzug der westlichen Truppen betreffend, geopfert werden.  Mittlerweile ist ja bekannt, daß die USA darauf drängen, viele Taliban von der UNO-Terrorliste zu streichen, wenn diese keinen Kontakt zu al Quaida haben.

Bibi Aisha, das Mädchen ohne Nase und Ohren,  ist seit der Veröffentlichung im TIME-Magazine zu dem Gesicht des Krieges in Afghanistan geworden.

Bibi Sanawbar wurde hingerichtet und es stellt sich immer erneut die Frage, was nach dem Abzug der westlichen Truppen geschieht.

Wird der Barbarei dann Tor und Tür geöffnet?

Veröffentlicht unter Bundesregierung, Eine Welt, Gesellschaft, Politik, Politik und Gesellschaft, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bibi Aisha, Afghanistan und linke Politik


In dem interessanten Beitrag: „Burka und Bikinis“ wurde – ähnlich wie in der Diskussion zu meinem Beitrag die Schlichtheit und Einfalt bemängelt, mit der sich viele Menschen durch „Einzelschicksale“ von der korrekten linken Linie abbringen lassen und – so wird unterstellt- weiterhin die westlichen Truppen in Afghanistan behalten wollen, um die Frauen- (Menschen)rechte dort einzuführen oder zu retten.

Es ist nicht nur legitim, sondern unerläßlich, über Bibi Aisha zu berichten.

Zeigt es doch, wie es afghanischen Frauen in diesem Land geht.Und nicht nur dort.

Da ist es auch mehr wie zynisch, wenn die Taliban auf ihrer offiziellen website verkünden, daß sie „es“ nicht waren und gleichzeitig ankündigen, daß, sollten sie des Täters habhaft werden, diesem auch Nase und Ohren abschneiden würden.

Politisch gesehen zeigt dieser Vorfall wie viele andere, daß dieses Land in den Händen von Drogenhändlern, Warlords, Frauenhassern und religiösen Eiferern ist.

Eine mögliche Antwort ist darauf, daß sich  im Land selbst endlich die Machtverhältnisse ändern müssen und sich eine faire und soziale Gesellschaft etabliert.

Solange westliches Militär aber die oben genannten Machthaber unterstützt, werden die Taliban weiterhin Oberwasser haben und wir werden noch öfter verstümmelte und tote Opfer sehen müssen.

  • Und ja, das verstehe ich unter linker Politik:

Sie fragt nach den Befindlichkeiten der einfachen Menschen und opfert diese nicht zugunsten einer größeren Sache.

Wenn nicht mit Menschen und unveräußerlichen Menschenrechten, mit was dann soll sich denn linke Politik begründen?

Stattdessen richtet sich die linke Diskussion an Ausstiegsszenarien aus, die sich immer dann beschleunigen, wenn – wie jetzt wieder – etliche Opfer aus Europa zu beklagen sind.

Man kann militärisch aus Afghanistan aussteigen, keine Frage. Je früher, desto besser.

Aber einen Ausstieg aus der Menschenrechtsfrage gibt es nicht. Und in diesem Zusammnehang vom „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ zu schwafeln und damit, daß „halt jedes Volk die Machthaber bekommt, die es verdient“, ist billig. Viel zu billig.

Warlords und Drogenhändler gibt es dort, weil hier große Teile der Bevölkerung der westlichen Hemisphäre auf Drogen sind und weil hier hemmungslos Energie verbraucht wird, die via Pipeline durch Mittelasien beschafft wird.

Und weil hier Energiekonzerne, Waffenproduzenten, Pharmakonzerne und Mafiosi aller Art sich dumm und dipplig an diesen Nachfragen verdienen.

Es liegt an uns, wie lange wir uns Bilder von Aisha (Afghanistan) und Sakineh (Iran) und ihren Leidensgenoss(inn)en anschauen müssen.

Deshalb: Uneingeschränkte Solidarität mit den Opfern weltweit.

Und weiterhin Engagement für die Entwicklung einer linken Politik, die zur Änderung der Machtverhältnisse hier wie dort , in Ost und West, führt.

Veröffentlicht unter Bundesregierung, Eine Welt, Freiheit und Abenteuer, Gesellschaft, Politik, Politik und Gesellschaft, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare

Westerwelle: Die Umarmung Südamerikas


Der Guido durfte, weil Angela im Urlaub weilt, mal wieder große Töne spucken. Diesmal als Vizekanzler. Es ging um Südamerika.  Die Geschichte der 33 Länder in Südamerika und der Karibik sei eine einzige Erfolgsgeschichte und man strebe eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“ an. Dabei stellt sich die Frage, was Deutschland denn mit Südamerika verbindet und künftig will.

Erfolgreich war sicher die Flucht zahlreicher NS-Verbrecher nach vor allem Paraguai und Brasilien, die, wenn die nicht gerade von Israel aufgespürt und vor Gericht gestellt wurden, unbehelligt dort leben und sterben konnten. Erfolgreich wurde von Deutschland die Vergangenheitsbewältigung und die Entnazifizierung vermieden.

Genauso erfolgreich war die Duldung zahlreicher Unterdrückungen und Installierungen von Juntas und anderer Diktatoren in Südamerika. Ob in Uruquai, Argentinien, Nicaragua, El Salvador oder Chile. Die Hände machten sich die jeweiligen Bundesregierungen alle nicht schmutzig, das konnte man getrost mittles vereinbarter Arbeitsteilung dem amerikanischen Außenministerium, der  CIA und den internationalen Konzernen überlassen.

Hauptsache, die entsprechenden Rohstoffe (chilenisches Kupfer etc…) standen unbeschränkt weiter zur Verfügung.

Die Tschibos, McDonalds und Chiquitas dieser Welt, sprich Kaffee, Hackfleisch und Bananen, stehen seit jeher in alter Tradition via Monokultur zur Verfügung.

Während der mexikanische Mais zu Biosprit für die hiesigen Öko-Müsli-Szene verarbeitet wird, hungert die dortige Bevölkerung.

Der expansive Anbau von Soja insbesondere in Brasilien, Paraquai und Argentinien vernichtet Regenwälder und Savannen, verdrängt die Michkuhhaltung, den Baumwoll- und Gemüseanbau.

Man hofiert den antisemitischen und auch sonst weitgehend durchgeknallten Präsidenten von Venezuela, Hugo Chavez, der sich mit Irans Oberbösenbuben Ahmadinedschad verbrüdert hat und auch damit auffällt, daß seine aggressive Rhetorik gegen Juden zu bewaffneten Attacken gegen Synagogen geführt hat.

Auch hoch im Kurs steht der Präsident von Ecuador, Rafael Correa, der enge Beziehungen zum Iran unterhält.

Erübrigt sich fast schon die Feststellung, daß die Bundesregierung auch Boliviens Präsident Evo Morales hofiert, der neulich mit der bemerkenswerten Aussage aufwartete, daß Hähnchenfleisch und Genkartoffeln  zum Schwulsein sowie zu Haarausfall führen.

Bei Kuba hingegen wartet man mit angezogener Handbremse darauf, daß mit dem Tod von Fidel Castro auch einer der wenigen erfolgreichen Staaten mit einem sozialistischen Gesellschaftsentwurf stirbt.

Südamerika über einen Kamm scheren, das ist das eigentliche Interesse dieser Regierung, die sich weder in der Vergangenheit noch heute noch in der Zukunft einen Dreck um die dortige Bevölkerung schert. Es geht wie immer um die Ausbeutung der dortigen Ressourcen zu möglichst billigen Weltmarktpreisen.

Dafür wird alles getan, manches geduldet und jedes Menschenrecht mißachtet, wenn es der Ressourcenbeschaffung dient.

Die passende Begleitmelodie liefert die katholische Kirche, die ihr menschliches Parfümchen darüber sprühen darf: Adveniats Prälat Bernd Klaschka sorgt sich einerseits um die „indigenen Völker Südamerikas“ und bringt die westerwellsche Umarmung erfreulich direkt auf den Punkt:

„Grundlage der Beziehungen zwischen Deutschland und Lateinamerika sollten Respekt und der gemeinsame christliche Glaube sein“.

Damit meint der Herr Prälat sicher nicht die Kirche der Befreiung.

Die hat der heutige Papst Ratzinger schon wirkungsvoll im Namen seines Vorgängers diffamiert und diszipliniert.

Veröffentlicht unter Bundesregierung, Eine Welt, Freiheit und Abenteuer, Politik, Politik und Gesellschaft, Religion, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ein verstörendes Bild – Aisha, ein Mädchen unter der Knute der Taliban


Das TIME MAGAZINE zeigt auf seinem Titelbild Aisha. Das 18-jährige Mädchen lief von zu Hause weg, um ihrem prügelnden Ehemann und dessen Familie zu entkommen und wurde von den Taliban zum Abhacken der Nase und ihrer Ohren verurteilt. Hier diskutiert man derweil über die Ausrüstung unserer Soldaten und den Abzug aus Afghanistan.

time_cover_0809

Aisha ließ die Photographin Jodi Bieber das Bild machen, weil sie der Weltöffentlichkeit zeigen will, was geschieht, wenn die angestrebte modifizierte Demokratie westlicher Politiker  („In Afghanistan ist eine Demokratie westlichen Musters nicht möglich“) umgesetzt wird, also die Rückkehr der Taliban nach Kabul.

Sie lebt mittlerweile schwerbewacht in Kabul in den Räumen der Hilfsorganisation Women for Afghan Women an einem geheim gehaltenen Ort.und wird mit Unterstützung der Grossman Burn Foundation nach Amerika ausgeflogen, um dort ärztlich behandelt zu werden.

Die Südafrikanierin Jodi Bieber schildert die Entstehung des Bildes in einem bewegenden Video:
TIME’s video on photographing Aisha for the cover

Wie der TIME-Chefredakteur schildert, ist es dem Magazin nicht leicht gefallen, das „machtvolle, schockierende und verstörende Bild“ abzudrucken.
Aber, so der Chefredakteur weiter:
„What you see in these pictures and our story is something that you cannot find in those 91,000 documents: a combination of emotional truth and insight into the way life is lived in that difficult land and the consequences of the important decisions that lie ahead.“  –
“ …Es ist eine Mischung von emotionaler Wahrheit und ein Einblick, wie in diesem schwierigen Land gelebt wird und die wichtigen Entscheidungen, die vor uns liegen.“


Jodi Bieber ist durch Afghanistan gereist und hat unterschiedlichste Frauen portraitiert, Olympiateilnehmerinnen, Politikerinnen aber auch schwer verletzte, verbrannte Frauen:
Portraits of the Women of Afghanistan.“

Afghanische Frauen unter der Bedrohung durch die Taliban – diese Bilder findet man unter:
http://www.time.com/time/photogallery/0,29307,2007161,00.html

Schließlich – was meinen die „Women for Afghan Women“ (WAW) zur Zukunft :

„Wenn wir über den Truppenabzug nachdenken, schaudert es uns. Was wird mit den Frauen und Mädchen geschehen, denen solche NGOs wie WAW zu Tausenden geholfen haben, und den Millionen Frauen, die noch mehr abscheulichen Missbrauch erleiden werden, als sie bisher erlebt hatten.“


Ich wünsche mir so klare Bekenntnisse, wie sie in der amerikanischen Öffentlichkeit üblich sind, in diesem Fall durch das mutige TIME MAGAZINE, auch hier bei uns. Stattdessen erleben wir die Wandlung der Brunnen-und-Straßen-bauenden Bundeswehr zu einer Besatzungsmacht, die vor lauter Unwahrheiten in der hiesigen Presse nicht weiß, warum sie dort eigentlich ist. Ja sicher, die Pipelines müssen dort gebaut werden. Der weltweite Bedarf an Rauschgift muß befriedigt werden.

Aisha und Jodi Bieber aber ermöglichen einen Blick in den Alltag unter der Knute der Taliban.

Veröffentlicht unter Eine Welt, Freiheit und Abenteuer, Gesellschaft, Politik, Politik und Gesellschaft, Religion, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | 5 Kommentare

Iran: Steinigung und Sippenhaft


Die Iranerin Sakineh Mohammadi-Ashtiani sitzt in der Todeszelle in Tabriz, verurteilt wegen angeblichem Ehebruch zum Tod durch Steinigung. Jetzt wurde die Familie ihres Anwalts in Sippenhaft genommen, weil das Regime ihm vorwirft, die internationale Aufmerksamkeit auf den Fall gelenkt zu haben.

„Für den französischen Außenminister Bernard Kouchner ist der Fall „ein Verstoß gegen das universale Gewissen“. Sein britischer Amtskollege William Hague nannte das Urteil eine „mittelalterliche Bestrafung“, die in der ganzen Welt „Abscheu und Entsetzen“ hervorrufen werde. US-Außenministerin Hillary Clinton protestierte durch ihren Sprecher gegen diesen „barbarischen und widerlichen Akt“, berichtet die „Zeit“.

Peitschenhiebe, Amputationen und die Todesstrafe werden seit den letzten Präsidentschaftswahlen immer häufiger eingesetzt.  Aus dem Jahr 2008 sind 346 Todesurteile bekannt, darunter auch die Hinrichtung von Minderjährigen.

Steinigungen treffen meistenteils Frauen, uner den derzeit bei amnesty international 10 bekannten Urteilen sind 7 Frauen.

Ashtianis Sohn hat sich in etlichen Briefen an Revolutionsführer Ali Chameini und den Präsidenten Ahmadinedschad gewandt, erhielt aber keine Antwort. Erst als er sich zusammen mit Ashtianis Anwalt an die Öffentlichkeit wandte, erreichte man die vorläufige Aussetzung der Steinigung.

Dafür wird jetzt der Anwalt verfolgt. Weil er untergetaucht ist, wurden Ehefrau und Schwager inhaftiert und die Anwaltspraxis verwüstet.

Wie zum Hohn bezeichnet der Iran sich als „wirklicher und beharrlicher“ Vertreter der Menschenrechte, als eine „der profiliertesten Demokratien“.  Und spricht – wen wunderts – von einer Kampagne Israels und der USA.

Gegen die Steinigung haben sich bislang neben der EU-Außenministerin Baroness Ashton, dem US Kongress, dem UN High Commissioner for Human Rights und den die Regierungen in Kanada und Großbritannien auch der irische Senat, Guido Westerwelle, Robert Redford, Emma Thompson, Juliette Binoche und Colin Firth ausgesprochen.

Die Petititon für die Freilassung Ashtianis, die seit 2006 in der Todeszelle sitz, kann unterzeichnet werden unter: www.gopetition.com/petitions/save-sakineh-mohammadi.html#fbbox.

Auch bei facebook läuft eine Solidaritätsaktion unter: www.facebook.com/pages/Save-Sakineh-Mohammadi-Ashtiani-from-being-Stoned-to-Death-in-Iran-by-Donya-Jam/123908540984923?ref=search

Interessant und beschämend ist das Schweigen der Bundesregierung. Außer dem Außenminister persönlich hüllt sich diese kollektiv in Schweigen, ihre letzte Stellungnahme zu Steinigungen im Iran datiert von 14.Januar 2008.

Menschenrechte  aber sind unteilbar.

Wer gebetsmühlenartig in China, Korea, Iran  oder anderswo neben dem Abschluß lukrativer Geschäfte noch auf die Menschenrechte „hinweist“, ist unglaubwürdig und spielt ein Schmierentheater ohne jede Wirkung.

Veröffentlicht unter Bundesregierung, Eine Welt, Freiheit und Abenteuer, Gesellschaft, Politik, Politik und Gesellschaft, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar