Hartz4: Null Euro für Bildung


Sieht man sich die Aufteilung des Regelsatzes für Hartz4 einmal an, wird offensichtlich, daß das Gerede von der „Bildung lebenslang“ als Vorrausetzung für persönlichen und beruflichen Erfolg tatsächlich Null € Bedeutung hat.

Hartz 4 wird wie folgt seit 01.07.2009  für einen alleinlebenden Erwachsenen berechnet:

Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke:                           113,93€

Alkoholische Getränke, Tabakwaren:                          19,10 €

Bekleidung und Schuhe:                                                  35,78 €

Wohnen und Energie (ohne Miete und Heizung):        25,59 €

Haushaltsgeräte, Einrichtungsgegenstände:                  25,78 €

Gesundheitspflege:                                                             13,18 €

Verkehr:                                                                                16,42 €

Post, Telefon, Internet:                                                       31,71 €

Freizeit, Unterhaltung, Kultur:                                           40,92 €

Bildung:                                                                                       0,0 €

Gaststätten und Übernachtung:                                              8,61 €

Andere Waren und Dienstleistungen:                                   28,00€

Summe (abgerundet)                                                               359,00 €

Das reicht zwar für einige Flaschen Lambrusco oder ein paar Päckchen Zigaretten, für einige Straßenbahnfahrten, ein paar Packungen Aspirin und für eine Übernachtung auf des nächsten Bauern Acker.

Luxus halt, deshalb fällt es den Politikern ja auch so schwer, nochmal gewichtige 5 € draufzulegen.

Könnt ja jeder kommen…

Die ach so hochgelobte Bildung findet im Hartz4-Regelsatz schlicht und einfach nicht statt. Vermutlich versteckt sie sich unter den „anderen Waren und Dienstleistungen“, da könnten sich die Hartzer die BILD-Zeitung kaufen, die soll ja auch bilden.

Interesse an gebildeten Hartzern hat die herrschende Riege selbstverständlich nicht, sonst könnten diese ja irgendwann einen Widerstand entwickeln und eine echte Opposition bilden.

Und womöglich mit den o.g. 16,42 € zu einer Demo fahren.

Veröffentlicht unter Bildung, Gesellschaft, Politik, Politik und Gesellschaft, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

SPD: Flexibel bis zur Selbstaufgabe


Den neuen Zauberstab, den der Erzbengel Gabriel aus seinem Taktikhut gezogen hat, heißt Volksabstimmung. Damit meint die SPD, das große Los gezogen zu haben und immer im richtigen Mainstream des gesunden Volksempfindens mitschwimmen zu können.

Während sich in der Sache Stuttgart 21 die Retroromantiker und die grüne Schickeria samt einigen Anhängeseln der Blut-und-Boden-Ideologen gerade Verdienste erwerben, die gesamte Region Oberschwaben samt Stuttgart langfristig von der globalen Verkehrsentwicklung abzuhängen und der ökonomischen Infrastruktur zwischen Ulm und Stuttgart den finalen Kopfschuß zu verpassen,  schwenkt zum Entsetzen fast aller sozialdemokratischen Mandatsträger die Landes-SPD um und wankt wie ein Blatt im Wind, getrieben von der Sorge, die Wählermassen zu verlieren. Da nimmt sie dann eher in Kauf, daß der mit  über 80% gewählte Ulmer OB Gönner die Partei verlässt (die Gerüchte wabern in diese Richtung) und der gradlinige Genosse Drexler die Stuttgarter Backsteinbrocken hinwirft.

Um ja nichts falsch zu machen, fordern die Genossen nun, das Volk solle entscheiden. Egal was rauskommt, die SPD ist dann fein raus und hält sich an Volkes Stimme. Deshalb nennt sie sich ja auch Volkspartei.

Dumm nur, daß die SPD im Ländle in Umfragen auf 21% heruntergekommen ist, weil sich auch die Schwaben und Gelbfüßler im Baden-Württembergischen  nicht gerne für dumm verkaufen lassen wollen.

Und so soll nun auch Volkes Stimme bundesweit über die Kernenergie entscheiden. War schon der sofortige Ausstieg mit 30-jähriger Vorlaufszeit aus der rot-grünen Fischer/Schröder-Ära ein Ärgernis, so versucht sich nun auch Sigmar Gabriel aus der Verantwortung zu schleichen. Nach dem Motto: Entscheidet mal, wir ergreifen dann später Partei.

Das nenne ich bauernschlau.

In der Schweiz zündeln gerade Volksinintiativen am Verbot der Todesstrafe herum. In Hamburg haben die Dolce-Gabana- Eltern ihre rückgewandten Bildungsprivilegien verteidigt.

Nicht ohne Grund haben die Verfasser des Grundgesetzes Volkes Stimme mit höchsten Hürden versehen und No-go-Areas eingerichtet, die verhindern sollen, daß Hitlers Erben und heutige Volkstribunen ein erneutes Deutschland generieren, das die Welt wieder in Angst und Schrecken versetzt.

Wer also aus lauter bauernschlauem Opportunismus heute lautstark nach Volksabstimmungen ruft, braucht sich weder zu wundern, daß das Volk gegen ihn abstimmt, noch, daß die damit gerufenen Geister nicht wieder so einfach in der für sie vorgesehenen Flasche verschwinden werden.

Veröffentlicht unter Gesellschaft, SPD, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Papst, go home!


Offener Brief von Englands Atheisten , u.a. Richard Dawkins, Stephen Fry und Terry Pratchett, gegen den Staatsbesuch des Papstes in Großbritannien:

„Wir, die Unterzeichner, teilen die Auffassung, dass Papst Ratzinger nicht die Ehre eines Staatsbesuchs in diesem Land zuteil werden sollte. Wir glauben, dass der Papst, als europäischer Bürger und als Führer einer Religion mit vielen Anhängern im Vereinten Königreich, selbstverständlich die Freiheit besitzt, unser Land zu betreten und hier eine Tournee zu machen. Allerdings ist der Papst nicht nur ein religiöser Führer, sondern auch ein Staatsoberhaupt, und der Staat und die Organisation, die er anführt, war und ist verantwortlich für:

Die Ablehnung einer Verteilung von Kondomen in armen Ländern, wodurch es immer mehr große Familien dort gibt und weshalb sich Aids weiter ausbreitet.

Die Propagierung von Bildung in nach Konfessionen getrennten Schulen.

Die Verweigerung von Abtreibung selbst für die gefährdetsten Frauen.

Die Ablehnung von gleichen Rechten für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transexuelle.

Die mangelnde Beschäftigung mit Missbrauchsfällen innerhalb der eigenen Organisation.

Der Staat, dessen Oberhaupt der Papst ist, hat sich ebenso geweigert, viele der wichtigststen Menschenrechtsverträge zu unterzeichnen und er hat seine eigenen Verträge („Konkordate“) mit vielen Staaten abgeschlossen, welche die Menschenrechte von Bürgern dieser Staaten negativ beeinflussen. Auf jeden Fall lehnen wir die Maskerade des Heiligen Stuhls als Staat und den Papst als Staatsoberhaupt als eine lediglich bequeme Fiktion ab, die den internationalen Einfluss des Vatikans verstärken soll.“

Stephen Fry, Professor Richard Dawkins, Professor Susan Blackmore, Terry Pratchett, Philip Pullman, Ed Byrne, Baroness Blackstone, Ken Follett, Professor AC Grayling, Stewart Lee, Baroness Massey, Claire Rayner, Adele Anderson, John Austin MP, Lord Avebury, Sian Berry, Professor Simon Blackburn, Sir David Blatherwick, Sir Tom Blundell, Dr Helena Cronin, Dylan Evans, Hermione Eyre, Lord Foulkes, Professor Chris French, Natalie Haynes, Johann Hari, Jon Holmes, Lord Hughes, Robin Ince, Dr Michael Irwin, Professor Steve Jones, Sir Harold Kroto, Professor John Lee, Zoe Margolis, Jonathan Meades, Sir Jonathan Miller, Diane Munday, Maryam Namazie, David Nobbs, Professor Richard Norman, Lord O’Neill, Simon Price, Paul Rose, Martin Rowson, Michael Rubenstein, Joan Smith, Dr Harry Stopes-Roe, Professor Raymond Tallis, Lord Taverne, Peter Tatchell, Baroness Turner, Professor Lord Wedderburn of Charlton QC FBA, Ann Marie Waters, Professor Wolpert, Jane Wynne Willson.

Veröffentlicht im Guardian, übersetzt bei Aufklärung 2.0

Veröffentlicht unter Politik und Gesellschaft, Religion, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Abschuss statt Abschluss


Nach dem angeblich unerklärlichen Amoklauf von Tim K. an der Realschule in Winnenden steht nun Tims Vater vor Gericht. Ein geeigneter Pappkamerad und Prügelknabe, der davon ablenkt, was wirklich zum Amoklauf führte und wer eigentlich auf die Anklagebank gehört.

Tim K. erschoss 15 Menschen und verletzte 13 weitere schwer, bevor er sich selbst tötete. Versetzt man sich in die Angehörigen der Opfer, so ist es mehr als verständlich, daß sie nach Erklärungen suchen und Konsequenzen fordern.  Während in den ersten Wochen nach der Tat sämtliche Politiker nicht aufhörten, Zeder und Mordio zu schreien und sich grundsätzlicher als grundsätzlich gerierten, wurden – die Wochen zogen ins Land und wurden zu Monaten – die üblichen kitschig-billigen Erklärungsmuster aus den Schubladen des Opportunismus herausgezogen:

Zum Einen: Computerspiele. Diese verderben die Jugend wie weiland Micky-Maus-Heftchen und Pardon.

Zum Anderen: Die Familie und im Besonderen der Vater von Tim sei schuld, habe er doch versäumt, die Beretta 92 FS kindersicher wegzuschließen.

Während die Angehörigen der Opfer durchaus folgerichtig anfänglich eine einschneidende Reform des Waffenrechts forderten und damit auf den wachsweichen Innenminister Heribert Rech stießen, der außer Allgemeinplätzen und peinlichen Fehleinschätzungen (-Tim kündigte die Tat im Internet an-) nichts zur Aufklärung beitrug und schon gar nicht sich an die Waffenlobby traute, konnte wenige Monate später der schwäbische Justizminister Goll stolz verkünden, daß er seine Waffen stets griffbereit im Haus habe.  Und so war es nichts mit deutlichen Verschärfungen des Waffenrechts.

Stattdessen gibt es von Psycholog(inn)en, die direkt anschließend in großer Anzahl in Winnenden im Einsatz waren, ebenfalls keinerlei wirkliche Erklärung, warum es zu diesem Blutbad kam. Auch aus dieser Ecke wird entweder gemauert oder man ist ganz einfach hilflos.

Bleibt der Vater übrig.  Und der steht nun als Mittäter angeklagt vor Gericht. Dabei ist er genau wie die ganze Familie vor allem eines: Opfer und für sein ganzes Leben gezeichnet.

Es ist mehr als auffällig, daß ein Junge, der sich noch am Tag davor bei einer seiner Lehrerinnen angelegentlich an die Bedingungen der Klassenarbeit, die am nächsten Tag zu schreiben war, erkundigt und dann an eben diesem Tag Amok läuft.

Während s in der Presse wenigstens berichtet wird, daß der Junge depressiv war und die  Wahrscheinlichkeit erwähnt wird, daß er die Behandlung unterbrach, kommen die Wörter Psychopharmaka ud Neuroleptika so gut wie nirgends vor.

Vor Jahren habe ich mit vor allem manisch-depressiven Menschen gearbeitet, die – solange man sie mit Haldol und anderen Medikamenten therapierte, einigermaßen in der Lage waren, ihr Leben gleichmäßig zu leben. Wenn sie auch oft wie Zombies nach außen wirkten, so wußten wir damals doch (vor allem durch den Selbstversuch einer Krankenschwester mit Haldol), daß diese Meschen nur äußerlich ruhig wirkten, innerlich aber nach wie vor in ihrer eigenen Welt waren und Haldol u.a. Medikamente wie chemische Gefängniswärter wirkten, soll heißen, derlei Medikation schob ihren ansonsten durchaus zu erwartenden auch chaotischen Aktivitäten einen chemischen Riegel vor.

Schlimm wurde es, wenn diese Menschen es schafften, die Medikamente selbstständig abzusetzen. Sie waren dann in kurzer Zeit teilweise völlig verwirrt und auch sehr aggressiv.  Viele davon haben sich später dann umgebracht oder sind heute völlig ausgelaugte alte Menschen…

Ich bin völlig überzeugt, daß Tim K. ein Opfer dieser Psychopharmaka ist, falsch medikamentiert wurde oder seine Tabletten eigenmächtig absetzte.  Nahezu alle Symptome deuten in diese Richtung, die nirgends erwähnt wird und doch so deutlich auf der Hand liegt.

  • Auf die Anklagebank – dorthin gehört die Pharmaindustrie und die deutsche Waffenlobby. Und die Politiker, die eine Aufklärung verhindern und keinerlei Gesetze ändern wollen.

Dem Vater und der Familie K. gehört unsere Anteilnahme genauso wie unser mitleiden mit all den anderen Opfern.

P.S. Man lese auch:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,612846,00.html

http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article9658096/Auf-der-Suche-nach-Schuld-wenn-der-Sohn-Amok-laeuft.html

Veröffentlicht unter Bundesregierung, Eine Welt, Gesellschaft, Politik und Gesellschaft, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Von Seitensprüngen und Profitgeiern


„Julia – 25 Jahre jung –  möchte vielleicht Sie kennenlernen. Julia sucht ein sexy Abenteuer, schließt aber auch eine richtige Beziehung nicht aus. Schauen Sie sich jetzt ihr Profil an. – Julia ist eines von mehr als 500.000 echten Mitgliedern bei Loomin – der
kostenlosen Seite für Abenteuer, Seitensprünge oder Partnersuche.“

Liebe Julia,

leider habe ich Dich unter dem angegebenen Link nicht gefunden. Dafür allerdings viele andere Mädels: Mimi, housebunny, sexylesbe, starfull, love.me, sweet123, biene223, amaryllis und sandrine.

Alle bereit zum großen Abenteuer mit einem wahren Mann wie mir, testosterongesteuert und – Du hast mich auf die Idee gebracht – bereit, zur Seite beziehungsweise ins nächste Bett zu springen.  Eine Partnerschaft habe ich schon, daran bin ich also nicht interessiert.

Aber – die sweeties und bienchen die da um meinen Heimatort rumschwirren, haben, wie ich den appetitanregenden Profilen entnehmen kann,  ja auch nur Sau-Igliges im Sinn.

Das Mädel mit dem Namen „want.me“ ist z.B. :

„Aufgeschlossen, dominant, humorvoll, neugierig, selbstbewusst, temperamentvoll, unternehmungslustig und sucht Erotisches sowie Wonn-Neit-ständs.“

Einfach. Anonym. Echt.

Das ist loomin.de. Mit dem neuen Matchsystem, der Webcam, Bildergalerie und dem eigenen Profil.Und so bin ich nun einer von 1306 Neuanmeldungen an diesem Tag. Die Frauen sind in der Mehrzahl.  54% Frauen für 46% Männer.

Wo – o my god! – bleibt da noch die Moral?  Jeden Tag tummeln sich ca. 20.000 Jungs und Mädels bei loomin.de herum, alle bereit zum nächsten Seitensprung!!!

Und der Supi-tollen-Begrüßung: „Hallo du Frischling, die Community von loomin.de heißt dich recht herzlich willkommen und wünscht Dir viel Spaß bei unserem Angebot.“

Kaum angemeldet, bekomme ich schon Nachrichten. Die Mädels haben genau auf mich  (MICH!!!) gewartet.  Helen aus  Halberstadt,  Laura aus Gütersloh und Doris aus Chemnitz schreiben mir. Zitternd vor Erregung (springe ich nun in Halberstadt oder lieber in Gütersloh zur Seite?) logge ich mich ein.- Aber:

Helen, Laura und Doris wollen Geld. Alle wollen Geld. Für den Premium-Zugang oder fürs Sparpaket.  Ich habe die Wahl, mir entweder 20 oder 30 € aus der Tasche ziehen zu lassen. Schlagartig läßt meine freudige Erregung nach. Davon war bisher keine Rede.

Und bevor mich das Ganze eine Stange Geld kostet, spare ich mir das Abenteuer, denn der Abend ist mir wirklich zu teuer.

Und springe nicht zur Seite,  sondern stehe meiner Partnerin zur Seite.

Langweiliger Kerl, der ich nun mal bin.

Einfach nicht geschaffen für loomin.de und all die anderen Profitgeier, die sich da im Netz tummeln.







Veröffentlicht unter Eine Welt, Freiheit und Abenteuer, Gesellschaft, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar