Christentum: Alles nur geklaut!


Gerade die Geschichte des  Mithras-Kultes zeigt, wie das Christentum von Anfang an nicht einzigartig, sondern vor allem gut darin war, die Ideen und Gedankenwelt anderer Religionen zu übernehmen.

Mithras wird am 25.Dezember, dem Tag der Sonnenwende in einer Höhle geboren. Seine Mutter ist eine Jungfrau. Hirten sind bei der Geburt dabei – und beobachten die Ankunft des Lichtträgers in der Welt. Sie kommen, um ihn anzubeten und opfern ihm die Erstlinge der Herden und der Früchte ihres Ackers.

Drei Magier ziehen in die Höhle und legen Mithra ihre Kronen zu Füßen.

Zaratustra weissagte:

„Horchet, ich werde Euch das erstaunliche Mysterium vom großen König offenbaren, der in die Welt kommen soll. Bei der Vollendung der Zeit, im Augenblick der Erlösung, die sie beendet, wird ein Kind empfangen und mit seinen Gliedern im Schoße einer Jungfrau gebildet werden, ohne daß ein Mann ihr nahegekommen ist…In der Nacht, in der das Kind geboren wird, erscheint ein Zeichen für die Welt: Ein Stern fällt vom Himmel herab.“

Mithras kämpt im Auftrag seines Vater-Gottes gegen das Böse.  Wenn das Ende der Welt kommt, schließen sich die Mithras-Gläubigen den Geistern des Lichts an und werden gerettet, die, die anderen Lehren gefolgt sind, landen zusammen mit Ahriman (Satan) und den gefallenen Engeln in der Hölle.

Mithras hält mit zwölf Jüngern ein letztes Abendmahl mit Brot und Wein, bevor er stirbt, begraben wird und wieder aufersteht.  Später fährt er wieder in den Himmel auf – wo er Teil einer Trinität wird.

Mithras ist Mittler zwischen Himmel und Erde, Gott und den Menschen,Gottmensch, Weltheiland und Erlöser.

Der Mithras- Kult kennt 7 Sakramente. Ebenso viele spendet heute die katholische Kirche.Ebenfalls besitzt er Taufe, Firmung und eine Kommunion, die aus Brot und Wasser oder aus einem Gemisch von Wasser und Wein besteht. Man begeht sie, wie im Christentum, zum Gedächtnis an eine letzte Mahlzeit des Meisters mit den Seinen.  Die Hostien waren mit einem Kreuzzeichen versehen.

Die Mithrasten berufen sich auf eine Offenbarung, setzen eine Sintflut an den Beginn der Geschichte, ein Jüngstes Gericht an deren Ende und glauben an die Unsterblichkeit der Seele und an die Auferstehung des Fleisches.

Der Höhlentempel von Mithras befand sich auf den Hügeln des heutigen Vatikans und wurde 376 n.Chr. von der Kirche vereinnahmt. Der höchste Priester wurde „Papa“ genannt (Kürzel für pater patrum, Vater der Väter)

Dessen Bischofsmütze ist ursprünglich eine rote phrygische Mütze, symbolisiert ein Fischmaul und heißt „Mitra“. Dazu trug er einen Ring und einen Hirtenstab.

Die vier größten Feste des Mithras fanden an der Sommer-und Wintersonnenwende sow an der Frühlings-und Herbsttagundnachtgleiche statt.  (Weihnachten, Ostern…)

Der Mithraskult wurde im 3. Jahrhundert nach Christus römische Staatsreligion. Auf dem weißen Pferd ritt Mithras aus gegen den Satan; noch heute wird er in der Gestalt des heiligen Georg abgebildet, der gegen den Drachen kämpft.

Wer in Spanien oder Südfrankreich Stierkämpfen beiwohnt, sieht nichts anderes als den Mithraskult vor sich. In Arles finden sie heute noch im gleichen Amphitheater statt, in dem in der Zeit nach Christus die Mithraskulte stattfanden, die ihren Höhepunkt in der Tötung eines Stiers hatten.

Noch heute versteht niemand die Begeisterung der Menschenmassen in den Stierkampf-Arenen – er brandet in dem Augenblick auf, in dem der Stier tot zusammenbricht -, der nicht weiß, was den Menschen selbst unbewußt ist: Der Tod des Stiers bringt die Erlösung, den Sieg der Gerechtigkeit und des Lichtes.

Der Mithraismus gilt als der umfassendste Versuch des Altertums, die Vorgänge am Himmel in einem großartigen religiösen Symbolismus zusammenzufassen und in diesem die ewigen Geschehnisse der Natur dem Menschen in einer Weise nahezubringen, dass er schließlich von deren Wahrheit gläubig erfüllt sein musste:
Wenn der eingeweihte Mensch (=Mann) alle Grade des Heilswegs durchschritten hatte, wusste er am Himmel selbst die in ewiger Erneuerung wiederkehrenden Geschehnisse abzulesen, deren dauernder Gang ihm in den Mysterien verschleiert offenbart worden war. Dort oben war die Kunde vom Kampf, Sieg, Selbstopfer, Tod, Überwindung des Todes und sieghafter Wiedergeburt des göttlichen Mittlers aufgezeichnet, und in jedem Neuen Jahr sah er die mystischen Lehren von neuem am Himmel bestätigt.

Mit der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion (392 n.Chr.) verschwindet der Mithras-Kult.

Als Grund für den Niedergang des Kultes wird vor allem angeführt, daß er ein reiner Männer-Kult war, während das Christentum wandlungsfähiger war und auch Frauen aufnahm.

Wie wir wissen, ist die Aufnahme von Frauen aber nicht gleichbedeutend mit der Gleichberechtigung in der christlichen katholischen Kirche, die bis heute extrem paternalistisch geprägt ist.

Die außerordentliche Fähigkeit, bei anderen Kulten und Religionen abzustauben, setzte sich in der Missionstätigkeit bei keltischen Völkern fort: Über fast jeder wichtige Kultstätte oder Fluchtburg der Kelten thronen heute Kirchen und Klöster.

Auch das Bemühen, Darwin und die Evolution einzutüten führt heute – und zunehmend verstärkt – zur Propagierung des intelligenten Designs und zum Kreationismus, der vor allem in den USA schon seit Jahrzehnten Darwin aus dem Lehrplan der Schulen zu verdrängen sucht.

Noch wandlungsfähiger zeigt sich – überraschenderweise – der derzeitige Papst, der im Oktober 1996 erklärte, daß Darwinismus mit der christlichen Lehre vereinbar sei.

Frohe Ostern!

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Gebt uns den Kachelmann wieder!


Ein Plädoyer für das sofortige Wiedereinsetzen von Jörg Kachelmann als gesamtdeutscher Wetterfrosch.
Seit Kachelmann in schweres persönliches Unwetter geriet, stimmt das Wettermanagment nicht mehr. Dieser Samstag ist ein deutlicher Hinweis, daß ohne den Schweizer Jörg nichts geht, die Wetterfrösche quaken falsch.

Verläßt man sich auf die derzeitigen Wettervorhersagen, so ist man verlassen. Nachdem gestern in bewährt dramatischer Manier auf allen TV-Sendern Regen, Unwetter und Kälte vorhergesagt wurde, schlug das Wetter, das ohne den Kachelmann offensichtlich machen kann, was es will, zu und brachte den ganzen langen Samstag Sonnenschein und Klimawärme.

Das brachte meinen Tag völlig durcheinander. Konnte ich gestern abend (mit einem heimliche Seufzer der Erleichterung) meiner Lebenspartnerin noch verkünden, aufgrund des heutig angesagten miesen Wetters sei der Bau ihres Gewächshauses und Gartenarbeit ganztägig auf keinen Fall möglich, so machte mir das Fehlen von Kachelmann einen Strich durch die Rechnung, die darin bestand, daß ich den Tag gerne verlesen und versurft hätte.

Pfeifendeckel. Der Tag begann mit Gartenarbeit und setzte sich mit der ebenso katastrophalen Meldung fort, daß der FC Bayern auf Schalke gewonnen habe.

Nur Kachelmann – the one and only frog of weather in germany – hat das unter Kontrolle. Mittels Luftstromanalysen, Hoch-und Tiefdiagnosen, Unwetterkarten, Biltzeinschlagdiagrammen und der Analyse von Hagelkörnern.

Gebt dem Mann zumindest eine Zelle, aus der er unser Wetter wieder dirigieren kann – eine Hightechwetterzelle mit allem nötigen Schnickschnack, inclusive TV-kompatiblem Sendemast.

Das geht so nicht weiter. Selbst der SPIEGEL verliert den Respekt vor dem Kachel-Klima und titelt:
Schmelzendes Vertrauen – wie zuverlässig sind die Vorhersagen über die globale Erwärmung?

Sie sind unzuverlässig.
So wie das Samstagwetter.

Bitte lieber Wettergott
Hilf uns doch aus dieser Not
Weise doch Horst Köhler an:
Begnadige den Kachelmann!

(altes Volksgedicht)

kachelmann

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Der Teufel wars!


Im kath.net, ein nach eigener „unabhängiges, katholisches, österreichisches Internetmagazin, dessen Aufgabe die Verbreitung von Nachrichten aus der katholischen Welt ist“ , liest man  am 29.10.2010 folgendes:

„Der bekannte römische Exorzist Pater Gabriele Amorth ist fest davon überzeugt, dass die Angriffe auf Papst Benedikt im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen vom Teufel eingeflüstert worden sind. Der Teufel benütze auch Priester.

Rom (kath.net)
Der bekannte römische Exorzist Pater Gabriele Amorth ist fest davon überzeugt, dass die Angriffe auf Papst Benedikt im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen vom Teufel eingeflüstert worden sind. „Da gibt es keinen Zweifel“, sagte der 85-jährige Amorth dem italienischen TV-Nachrichtendienst News Mediaset wie der ORF berichtet…Der bekannte Exorzist erinnerte daran, dass Benedikt ein wunderbarer Papst und würdiger Nachfolger von Johannes Paul II. sei. Der Teufel benütze im übrigen durchaus auch Priester, um die Kirche zu treffen, meinte er zu den Missbrauchsfällen: „Er bekämpft die Kirche über die Männer der Kirche“, denn auch diese lebten in der Welt und könnten somit wie alle anderen den Versuchungen erliegen.“

Na, wenn das nicht die Neuauflage der „fünften Kolonne“ , der „Dolchstoßlegende“ und des armen in Versuchung geratenen Don Camillo ist. Auch nett: Das Glaubenspaket taufe für 9.-€. 🙂

Aber bereits 2002  schrieb „the onion“:

Papst vergibt missbrauchten Kindern

Benedikt Ratzinger

VATIKAN – Papst Benedikt XVI. nannte die Vergebung “eines der Werte, die uns Jesus gelehrt hat” und sprach Kinder, die von Priestern missbraucht wurden, am Montag von allen Sünden frei.

“Obwohl schwerwiegende und schreckliche Sünden begangen wurden, lehrt uns der Herr, die andere Wange hinzuhalten und jenen zu vergeben, die sich an uns versündigten”, sagte der Papst, als er eine vorbereitete Erklärung auf dem Balkon verlas, der den Petersplatz überblickt. “Das ist der Grund, warum die Kirche trotz der schrecklichen Fehler, die begangen worden sind, weitergehen muss und den Kindern für ihre Untaten vergeben.”

“Wie Jesus sagte: ‚Jene, die ohne Schuld sind, mögen den ersten Stein werfen‘, fuhr der Papst fort. “Wir müssen diesen zehntausenden – vielleicht hunderttausenden – Kindern, deren sündige Wege so viele Kirchendiener zu lustvollen Verstößen gegen ihren heiligen zölibatären Schwur verführten, eine klare Botschaft schicken. Die Kirche vergibt ihnen für ihre Überschreitungen und sieht nicht mit Intoleranz auf sie herab, sondern mit Mitgefühl.”

Die päpstliche Erkläung erfolgt als Antwort auf die öffentliche Empörung über den Sex-Skandal, der die Kirche in den USA, in Irland, in Deutschland und in anderen Ländern heimsucht. Obwohl Beobachter feststellen, dass die offizielle Kirchendoktrin solche Übertretungen verurteilt, ist die Entscheidung des Papstes dazu gedacht, die Bereitschaft der Kirche zu demonstrieren, den Skandal hinter sich zu lassen und das öffentliche Vertrauen wieder herzustellen.

“Indem er diesen Kindern, vor allem kirchgängigen Jungen zwischen 5 und 15 Jahren, vergibt, hat der Papst wahre christliche Nächstenliebe gezeigt”, sagte Vater Thomas O’Malley, ein Mitglied der New Yorker Erzdiözese und einer der vielen Priester, denen sexuelle Aktivitäten mit Minderjährigen vorgeworfen werden. “Der Papst sagt, dass diese sündigen Kinder in ihrer eigenen Weise auch Opfer sind. Durch ihre Absolution schickt er die wichtige Botschaft, dass Empathie, was auch immer Neinsager und Kritiker in den säkularen Medien uns weismachen wollen, durchaus einen Platz im modernen Katholizismus hat.”

Die Massenabsolution wird von Kirchengelehrten als eine der progressivsten Handlungen des Vatikans seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil im Jahre 1962 gehandelt.

“Man kann die Bedeutung dieses Traditionsbruchs nicht genug betonen”, sagte der Laienverwalter Bruce McConnachie der Erzdiözese von Los Angeles. “Schließlich gilt der Akt der Priesterverführung laut Kirchendoktrin als schlimme Sünde gegen die Gesetze Gottes, strafbar durch Verbannung zur Hölle für alle Ewigkeit. Aber der Papst hat all dies beiseite gelassen. Was geschehen ist, ist geschehen. All diese unanständigen, sexy kleinen Jungs sollten dankbar sein. Obwohl diese Jungen so viel getan haben, um den zölibatären Priesterschwur zu unterwandern, verdienen sie immer noch Gottes Liebe.”

Margaret Leahy, 39, Mutter von einem der Verführer, drückte ihre Erleichterung über die Erklärung des Papstes aus.

“Monatelang befüchtete ich, dass mein Junge – wie Dutzende andere, die mit Vater Halloran sündige Taten vollbracht haben, bevor er vor weiterer Verführung durch ihre vorpupertären Hände in Sicherheit gebracht wurde, indem man ihn in eine andere Gemeinde versetzte – zur Hölle fahren würde für das, was er getan hat”, sagte Leahy. “Es ist eines der schrecklichsten Gefühle, die eine Mutter haben kann. Aber dank der Vergebung des Papstes ist dieser lange Albtraum endlich vorrüber. Er war zu der Zeit nur acht Jahre alt. Er wusste es nicht besser. Danke, Ihre Heiligkeit, dass Sie meinem kleinen Timothy eine zweite Chance zur Erlösung gegeben haben…..”

Quelle: TheOnion.com, gekürzt und aktualisiert in „aufklärung 2.0“

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Sektenfieber? – Kalter Kaffee!


„Bis nichts mehr bleibt“ – der mit großem Medienspektakel ausgestrahlte ARD-Spielfilm zu Scientology enttäuschte auf der ganzen Linie. Der Versuch, die Sekte zu dämonisieren auch.


Ein schwacher Plot, mäßige bis schlechte Schauspieler und 8,69 Millionen Zuschauer, die keine neuen Enthüllungen zu sehen bekamen:

Junges Paar gerät in die Hände einer Sekte, wird ausgenommen und schließlich trennt man sich. Der Aussteiger wird unter Druck gesetzt, um das  gemeinsame Kind wird gestritten, ein guter und ein böser Anwalt sind noch mit von der Partie und auch die Oma und der Opa dürfen nicht fehlen.

Am Ende schaut der Aussteiger dumm in die Röhre und die Mama behält ihr Kind und darf weiter ihrem Aberglauben frönen.

Wenn das nun Scientology vom Feinsten war, dann müssen künftig die Zeugen Jehovas ebenso wie die Neuapostolen, diverse andere evangelische Freikirchen sowie die katholische und evangelische Kirche unter Verfassungschutzbeobachtung gestellt werden.

Wie im anschließenden Plasberg-Talk  Pfarrer Fliege völlig zu Recht argumentierte, werden die Methoden, Kinder und Jugendliche an sich zu binden (Abenteuerpädagogik, Vertrauensspiele etc.) überall angewandt. Ob in der Jungschar, in der Pfadfinderkluft oder in irgenwelchen links-oder rechtsdrehenden  politischen Jugendverbänden.  Hauptsache ist dabei, die  Augen schließen zu können, Geborgenheit zu erfahren, sich  beschützt und aufgehoben zu fühlen und Gemeinsamkeit zu erleben.

Und die Sache mit der ständigen Wiederholung von Fragen, der Eintrichterung von  Glaubensbekenntnissen (in diesem Fall von L. Ron Hubbard):  Jeder Konfirmant bekommt das „apostolische Glaubensbekenntis“ im zarten Alter von 14 Jahren ein Jahr lang eingebläut und sollte es – ginge es nach der evangelischen Kirche – sein Leben lang nicht mehr vergessen.

Während die Scientologen Aussteiger und Zweifler befragen (auditieren), hat die katholische Kirche die Beichte.  Zu empfehlen ist hier die Seite: www.beichte.de – Online mit Jesus. Da wird nach Vorsatz und wirklicher Reue gefragt, und die Karl-Leisner-Jugend weiß auf ihrer website zu berichten:

„auf Weltjugendtagen, Night-Fever-Nächten, Prayerfestivals und auf Wallfahrten zeichnet sich eine bemerkenswerte Trendwende ab: Menschen – vor allem Jugendliche – stehen stundenlang Schlange, um zu beichten. “

Wie unschwer zu erkennen ist, fischen auch die großen Kirchen mit auf Jugendliche zugeschnittenen „Night-fever-Nächten“ (Nachtfiebernacht, so ein nonsense!) nach neuen Gläubigen, Kirchensteuerzahlern und Spendern.

Sollte der ARD-Abend dazu dienen, die Zuschauer vor der perfiden Church-of-Scientology zu warnen und sie auf deren ausgefeilte Anwerbestrategie vorzubereiten, so ging der Schuß vollends nach hinten los, als bei „Hart, aber fair“ nicht nur ein ach so menschlich anmutender Scientology-Titan (so bezeichnen sich die Sektierer selbst) auftrat, sondern ein halblebiger Aussteiger, der wohl nur ausstieg, weil er durch das ständige Auditing und Clearing seinen Krebs nicht loswurde, auch nichts Erhellendes zum Schreckensbild beitragen konnte.- Außer daß die Dianetiker gut bis sehr gut im Geldabzocken sind.

Souverän einzig die Sekten-Expertin Sabine Riede, die klar und  sachlich fundiert den Aussagen des Sekten-Gurus Stettler widersprach.

Alles in allem bot aber Plasbergs Talk vor allem ein Forum für Scientology selbst, die, sollte man es bisher noch nicht gewußt haben, so dämonisch oder schrullig sind wie die Zeugen Jehovas, die keine Geburtstage und andere Familienfeste feiern dürfen und zum Verkauf des „Wachturms“ an allen Straßenecken der Welt gezwungen werden, weil Ihnen sonst die ewige Verdammnis droht.

Es ist halt eine allzu amerikanische Möchtegern-Kirche, die auf der Basis des klassischen Kapitalismus (ausbeuten, Mehrwert abschöpfen, reich und mächtig werden) sowohl Erfolg suchende Männer wie auch nach Perfektion suchende Frauen in etwa zu gleichen Teilen anspricht.

Nichts Neues, alles kalter Kaffee.

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Von ladies, gentlemen und Italienern


Samstagabend in einer Pizzeria im wilden Süden. Nein, nicht in Bayern, aber hart an der Weißwurstgrenze.
Es gibt – Sie wissen das sicher – ähnlich wie beim Chinesen so eine Art mainstream-layout für die Italiener in Deutschland. Genauer gesagt, drei:

Der eine Italiener spart sich Tischdecken und Servietten und simuliert das arme Kalabrien. Man ist seiner Gnade voll und ganz ausgeliefert, wann er die Bestellung aufnimmt, der Wein (man nehme vorsichtshalber 3-4 Aspirin vor dessen Genuss) in Gläsern serviert wird, deren Fingerabdrücke jede Spurensicherung jubeln lassen, und wann er geneigt ist, die Rechnung zu präsentieren. Selbstverständlich ist er Koch, Kellner und Küchenhilfe in Personalunion. Die Toiletten sind eine phantasievolle Weiterentwicklung der Plumpsklos und Donnerbalken.

Der Andere ist einer von den beiden kleinen Italienern, die einst von Napoli träumten und der es hier zu Einwegservietten, Plastikblumen und Wegwerftischtüchern geschafft hat.  Hier bedient die Mama, die im Hintergrund die Bambini in der Küche dirigiert. Neben einigermassen saubere Toiletten (Bauhaus-Klebe-Kacheln) wird meist noch ein Waschbecken ohne Seife angeboten).

Der Dritte letztendlich stammt aus Milano, Bologna oder Florenz und eifert der Ausstattung deutscher Mittelklasserestaurants nach: Bequeme Stühle, Holzofen, echte Servietten und Kellner auf Mindestlohnbasis. Bedienung und eine umfangreiche edle Speisekarte inbegriffen.  Wobei auch hier die Laune der Mama ausschlaggebend fürs Serviertempo ist. Die Toiletten laden zur längeren Verweildauer ein, ein extra Obulus wird derzeit (noch) nicht verlangt.

Nachdem wir – das macht man halt auch nicht! – unreserviert Einlass und Nahrung begehrt haben, werden wir etwas widerstrebend an Tisch Nummer fünf geleitet.  Das ist der Tisch, den man landläufig auch als Katzentisch bezeichnet und den man gerne wieder räumt.

Mylady ( the love of my life) bestellt sich eine kleine Pizza, zuzüglich einen kleinen Salat (weiß sie denn nicht, daß Italiener alles können außer Salat?)
Mann (ich höchsselbst) bestellt eine große Pizza, ich muß ja schließlich meine Linie halten. (Salat, was ist das?)

Sie sehen, wir sind ein typisches Pärchen in den besten Jährchen beim arrivierten Italiener.

Nebenan (links von mir) liegt ein alleinerziehender Vater (ca. 40, gut gefüttert, dicke Brille, Glatzkopf mit sorgfältig gepflegtem Resthaar) in den letzten Erziehungszügen. Sohn und Tochter haben Pizza fertig (bis auf die Ränder, die zu hart für die kleinen Beißerchen von heute sind) und verlangen vom Wochenendpapa lautstark ein Eis. (Wissen die denn nicht, daß seine Ex den größten Teil seines Gehalts schluckt?)

Soeben kommt  ein Pärchen Eltern herein und wird zielstrebig rechts von uns plaziert.  Die Mama ist deutlich schwerer als der Papa, setzt ihren Ich-Bin-Stillende-Mutter-Blick auf, schaut in die Runde (widerspricht wer?)  und beginnt das Kleine an die rechte entblößte Brust zu legen.

Schließlich in Blickrichtung geradeaus führt ein kahler Mann (Midlifecrisis, kahl, Bauchansatz) seine schlecht und schlampig blondierte Freundin aus, die etwa halb so alt wie er sein dürfte.

Und in der Ecke sitzen die unvermeidlichen Tanten, die dort immer sitzen und Schwarzwälderkirschtorte und Tiramisu und Kirschtorte und Tiramisu und Torte und Tira…usw. in  sich hinein schaufeln. Das Kampfgewicht der Damen stimmt, nur ihre Männlein haben sie schon lange überlebt.

Die Kinder sind beim Eis angelangt und kleckern die Schmelze auf Hemd, Bluse und Hosen. Der eisige Blick von Papa schweift synchron zum rechten Bein, das ungeduldig wippt und wartet, daß es mitsamt dem linken Bein die Lokalität verlassen darf. Die Kinder schlotzen extra langsam.  Sie nehmen den zeitweiligen Ernährer und dessen Sorgen nicht wahr. Kleine Monster halt.

Die Pizzen kommen. Die andauernd spannende Frage ist immer die nach der Qualität der Messer. Haben Sie schon mal mit Messern Pizza gegessen, die diesen Namen verdient haben?  Auch diese Pizzeria reiht sich in die lange Reihe ein, die nur Attrappen bereitstellen.

Der kahle Beau hat bisher sein blondes Anhängsel vollgeschwafelt und teilt sich nun eine Pizza mit ihr.  Sie kennt immerhin Messer und Gabel, er erklärt die Pizza zum Fingerfood.  Zwischendurch streicht seine nun ölige Salami-Schinken-Pizza-Hand über die Glatze, die nun zunehmend speckig strahlt.  Da er sein Mädel ab und zu streichelt, während er issafelt (=ißt und schwafelt), bekommt auch ihr Haar sein Fett ab.

Die Tanten bestellen eine Runde Kirschwasser und verschnaufen, während die Tortenteller nachgefüllt werden.

Das Baby muß nach einer gehörigen Portion Muttermilch aus der rechten Brust ein Bäuerchen machen und beginnt zu kreischen. Die Mama knöpft ihr kariertes Hemd zu und befiehlt lächelnd, leise, aber bestimmt, daß der ausgemergelte Papa nun eine Runde mit dem Kleinen um die Tische zu drehen hat.

Den Kampf mit den Pizzen scheinen wir – geübt im Gebrauchen von Attrappenmessern, auch heute zu gewinnen.

Der Papa packt seine Kleckerkids, studiert gequält die Rechnung, begleicht diese und entschwindet.

Der Tisch wird von einem Paar mit Sohn eingenommen. Sollte man meinen, es gäbe noch so was wie gute Manieren, so wird mann auch hier enttäuscht. Die Mama hilft dem Sohn aus der Jacke, ihr Mann drückt ihr seinen Mantel in die Hand und die Gentlemen setzen sich, währen die Lady sich selbst hilft und die Jacken eingesammelt zur Garderobe bringt.

Apropos Gentleman: Der Midllife-krisengeschüttelte Beau ist auf die Toilette entschwunden und taucht, sich an seinen Eiern kratzend, wieder in der Tür auf.  Sie zieht es vor, gequält zu lächeln, während er sich besitzergreifend wieder zu ihr setzt. Sein Blick schweift in die Runde: Irgendwer hier, der ihm den Oberbockstatus streitig machen will?

Während wir auf die Rechnung warten, bewundern wir die Kitschbilder an der Wand. – Alle erzählen sie uns italienische Stories:
vesuv5Der Vesuvausbruch (im Hintergrund), davor die fliehenden Fischerboote in wogender See vor Neapel darf dabei genausowenig fehlen wie die Villa in der Toscana, vor der ein Maultierkarren steht und ein Romeo seine Liebste anhimmelt.
Auch die raphaellesken mamas und ragazzas vor einer mit opulenten Früchten gedeckten Tafel sind in Gold gerahmt und machen in ihrer Schwülstigkeit allein schon bei der Betrachtung Kopfschmerzen.

Die mama des Hauses hat uns streng gemustert, die Rechnung königinnenhaft vor mir plaziert und leise – ihr Ton duldete nicht den kleinsten Widerspruch – gefragt, ob es uns gemundet habe.

Selbstverständlich, lächelt en wir fein zurück.

Während die Tanten ihr Kampfgewicht weiter steigerten, der Beau mit fettigen Fingern einen letzten Brösel seiner Pizza seinem Liebchen ins Ohr flüsterte und die Eltern mit Sohn sich wortlos anschwiegen, verabschiedeten wir uns freundlich auch von der Mami, die auf die Rückkehr von Papi und dem Baby wartete. Dieser fischte – so ein letzter Blick – an den Tischen 8-10 Komplimente für das süße Ding.

Ich helfe meiner Lady in ihre Jacke, bedanke mich für den Abend und ein gutes Gespräch.  Dann geleite ich sie nach Hause.

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