Nackte Tatsachen


Wie in „des Kaisers neue Kleider“, der ja glaubte, er sähe nackt am Besten aus und der außer seiner Eitelkeit nichts mehr anhatte, so sieht die Zukunft 2010 auch bei uns aus:

Der Nacktscanner wird zuerst die Flugpassagiere, später dann die Bahngäste und die Autofahrer entblößen. Das Recht auf Individualität besteht dann darin, daß wir zudem noch verpixelt werden. Die erste nackte Tatsache ist in diesem Zusammenhang, daß die bundesdeutsche (und nicht nur die) Demokratie einen moralischen Tiefpunkt erreicht hat, den man sich bisher in schlimmsten Alpträumen nicht ausgemalt hatte.

Die zweite nackte Tatsache ist, daß damit kein einziger kluger Terrorist von seinem Tun abgehalten werden wird. Allenfalls ein paar Dummbärte wie die Fritzchens von der Sauerlandgruppe.  Aber darum geht es ja auch nicht wirklich. Es ist nur ein neuer Höhepunkt im Beseitigen von Privatsphäre, der Beseitigung von Schamgefühlen, der Beseitigung jeglicher guter Manieren  und im Entpersonalisieren der Menschen in diesem unseren Lande.

Wer nur noch öffentlich ist, überwacht kommuniziert und sich nackt abscannen lassen muss ist zunehmend nicht mehr in der Lage, einen individuellen oder kollektiven Widerstand zu entwickeln bzw. für seine eigenen Rechte einzutreten.

Eine andere nackte Tatsache ist, daß die Reichen immer reicher werden und ein immer größerer Teil der Bevölkerung verarmt.  Nicht nur durch das größte Verarmungsprogramm namens Hartz 4, sondern auch durch die schwarz-gelbe Bundesregierung haben wir mittlerweile ein steuerliches Paradies für Wohlhabende, daß innerhalb der EU den Status der Kaiman-Islands oder von Liechtenstein erreicht. Entgegen aller weihanchtlicher Reden davon, daß starke Schultern mehr tragen müssen als schwache, wird weiterhin genau das Gegenteil praktiziert: Steuerliche Entlastungen für die oben, Sozialabbau für die unten.

Ein Ergebnis davon ist, daß sich Alleinerziehende und/oder gezwungenermaßen Doppel-Arbeitende immer weniger um Kinder und Familienzusammenhalt kümmern können. Bildungsferne Schichtenund verhaltensauffällige Generationen sind von oben gemacht und werden gezielt produziert.

Nackte Tatsache ist auch, daß es über 12000 rechtradikale  Gewaltdelikte im Jahr 2009 gab. Die nackt gescannten, gepixelten, verhaltensauffälligen und bildungsfernen Menschen werden auch 2010 eine noch leichtere Beute für Ausländer-, Juden-und Frauenhasser oder Heilsbringer aller Art werden.

Nackte Tatsache schließlich ist, daß das Demokratieverständnis ganz allgemein Tiefststände erreicht. Die Spitze dieses Eisbergs manifestiert der Minister zu Guttenberg, wenn er den Afghanen abspricht, eine Demokratie nach westlichem Muster verwirklichen zu können:

Es gibt eben Länder, die sich für Demokratie eignen, andere nicht. Die kriegen dann eine Halbdemokratie,z. B. ohne Frauenrechte, oder eine aufgemotzte Justiz ( statt Knast lieber: Hand ab, Kopf ab o.ä.) Schließlich reicht es doch, wenn WIR eine Vorzeigedemokratie haben. Die anderen zeigen ihre Widerlings-Seiten vor.

Die Frage ist, wann der Herr Guttenberg auch uns die Fähigkeit abspricht, in einer Demokratie zu leben.  Denn diese Frage entscheiden er und einige andere.

Sich nackt scannen und bepixeln zu lassen und auf jedes Persönlichkeitsrecht zu verzichten, ist sicher eine Vorraussetzung dafür, weiterhin zu den Guten zu gehören. Das ist die nackte Tasache und die bittere Wahrheit, der Ausblick auf 2010.

P.S.

Und hier noch ein Tatsachenbericht aus den USA:

www.freitag.de/community/blogs/andreas-kemper/nacktscanner—ein-erfahrungsbericht

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Holy Shit


Der Oberschamane der katholischen Kirche hat seinen globalen Klimbim wieder mal in 60 Sprachen verkündet.  Und wie zu erwarten war, macht er sich Sorgen um den Weltfrieden, die Palästinenser und die ungeborenen Kinder.

Im SPIEGEL war zu lesen, daß die Kirchen mehr Geld für die Missionierung Ungläubiger ausgeben als für konkrete Entwicklungshilfe.

Wie immer ist der Pope an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten.  Und Leute, die vor lauter Wut zu ihm durchzudringen vesuchen, sind selbredend psychisch krank und landen in der nächstliegenden Klapsmühle.

Ja, die Politiker und Schamanen dieser Welt – gut geschützt, damit ihre Anhängerschaft sie nicht aus lauter Liebe erdrückt.

Und die ungeborenen Kindlein, die da mit zittriger Greisenstimme bedauert werden und beschützt werden sollten.  Statt Empfängnisverhütung und AIDS-Bekämpfung gilt die einzige Sorge der ungehinderten Produktion von katholischem Nachwuchs.

Und mit heiligem Lächeln wird verklärt die latente Judenfeindlichkeit zelebriert, gekleidet in die Mahnung, Israel solle doch seine Siedlungspolitik einstellen.

Holy shit allüberall.

Heilig geht die Welt zugrunde.  Ein Trost, daß der erste Mittelmeerzunami, den die (angebliche) Klimakatastrophe auslöst, den Vatikan auch unter Wasser setzen wird.

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Politischer Wunschzettel fürs Neue Jahr


Jenseits von allen dinglichen Geschenken, die ich verteile oder bekomme, wünsche ich mir, nachdem ich in mich gegangen bin, verschiedenes. Die Liste ist offen und zugegebenermassen willkürlich , sie kann jederzeit ergänzt werden:

1. Den Weltfrieden

Ein Friedensnobelpreisträger genügt mir nicht.

Make Love, not war!

Macht Liebe, nicht wahr?

2. Religionsfreiheit

Freiheit von Religionen, die andere Menschen zu ihrem Gott und dessen angeblichen Gepflogenheiten bekehren wollen. Persönliche Spiritualität ist nicht nur ok, sondern erwünscht.

3. Abschaffung der Todesstrafe

Why do we kill people who are killing people to show, that killing people is wrong?

4. Keine Amokläufe an Schulen und anderswo

Beleidigte Jungs sollten lernen, ihre Konflikte verbal auszutragen

5. Ein weltweites Verbot der Waffenproduktion

Gibts keinen Nachschub an Tötungsmaschinen, sind die oben genannten Wünsche realistisch umzusetzen.

6.  Nahrung, Unterkunft und Bildung für alle Kinder dieser Welt.

Das ist ein Ziel, für das es sich immer, egal wann, zu kämpfen lohnt.

In diesem Sinne:

Ein frohes Fest und ein gutes Neues Jahr 2010.

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Die Mordbuben von Eislingen


Im Frühjahr 2009 brachten der damals 18-jährige Andreas H. und sein 19-jähriger Freund Frederik B. mit 31 Schüssen die Eltern und die zwei Schwestern von Andreas H. im schwäbischen Eislingen um. Sie müssen sich vor der 6. Jugendkammer des Landgerichts Ulm wegen heimtückischen Mordes verantworten.

Wie auch schon bei den Amokläufen in Winnenden und anderswo ist vor allem ja – sowohl zum Verständnis der Tat selbst wie auch zur Vorbeugung weiterer ähnlicher Verbrechen – der Grund für die Morde interessant. –  Da Amokschützen meist nicht überleben ist es umso wichtiger, anhand von einer vordergründig unverständlichen Tat die Motive nachvollziehbar zu machen und aufzudecken.

Richter Gugenhan leistet hier sicher – wie meistens immer – sein Bestes. Und so ist im SPIEGEL oder der örtlichen SÜDWESTPRESSE das Eine oder Andere mittlerweile nachzulesen.

Und diese „Gründe“ machen nicht nur nachdenklich, sondern lassen viele Fragen offen und den Beobachter eher hilflos zurück.

So führt Andreas H. an,  sein Elternhaus sei schwierig gewesen, sein Vater autoritär, dominant und hätte ab und zu (nicht regelmäßig) geschlagen.  Zum 18. Geburtstag gabs nicht nur eine wertvolle Uhr, sondenr auch einen gemeinsamen Bordellbesuch.

Auch hätte ihn zwar seine Mutter wie einen „Prinz“ behandelt (er war das Nesthäkchen der Familie) aber seine beiden größeren Schwestern hätten ihn gehänselt.

Und schließlich sei die Familie auf einer gemeinsamen Schneewanderung in Nebel und die Dunkelheit geraten und – obwohl er nicht mehr weiter wollte – trotzdem zu einer höher gelegenen Schutzhütte aufgestiegen, was abends zu Spötteleien von Mutter und Schwestern ihm gegenüber geführt hätte.

So stellte sich dann die Frage, ob er sich umbringen solle oder seine Familie sterben müsste („Sie oder ich“)

Der Ausgang ist bekannt.

Ich habe viele Vorwürfe an die Eltern des Mörders von Winnenden gelesen. Sie hätten sich nicht um ihr Kind gekümmert und es alleine gelassen. Die Mordwaffe wäre leicht erreichbar gewesen. Gewaltvideos und Ego-Shooter seien im Spiel gewesen.

All dies trifft bei den beiden Jugendlichen so nicht zu.  Vielmehr haben sich die Eltern von Andreas um ein aktives Familienleben gekümmert. Davon zeugen Familienausflüge in die Berge (wohl regelmäßig), die ich auch mit meinen Kindern gemacht habe. Eine Erfahrung, die prägend und auch persönlichkeitsbildend sein kann.  – Sicher kann man über die Geschmacklosigkeit einer Einladung ins örtliche  Bordell sehr geteilter Meinung sein, aber auch dieser männliche Initiationsritus ist – man mag es bedauern – nach wie vor in einem Teil der Bevölkerung üblich.

Und hänselnde Geschwister sind eine absolut alltägliche Erfahrung in fast allen Familien mit mehreren Kindern.

Was also treibt einen intelligenten Jugendlichen (Wirtschaftsgymnasium) zu einer solchen Tat?

Die oben genannten Gründe sind mehr wie lau, es sind keine. Nicht stichhaltig. Andreas wuchs in einer „stinknormalen“ Familie auf.

Über Frederik B, wissen wir nicht viel, aber immerhin hat er Versuche unternommen, sich zu entschuldigen. Und seine Eltern nehmen Anteil am Geschehen und verfolgen die Verhandlung vor Ort. Ich denke, da haben die beiden nicht nur Leben zerstört, ihr eigenes Leben dazuhin, sondern auch die Überlebenden der Tragödie schwerst belastet.

Die Gradwanderung, die das Gericht gerade machen muss, ist auch nicht beneidenswert:

Hier geht es vor allem darum, daß nicht die wehrlosen toten Opfer im Nachhinein zu Täter(inne)n gemacht werden.

So geht es ja, wenn man die laschen Entlastungs-und Erklärungsversuche liest:

Dominanter Vater, stichelnde Schwestern, verwöhnende „Prinzen“mutter… dabei, so muss man sich immer wieder sagen, ist nichts ungewöhnlich, nichts besonders verwerflich. Es war halt eine Familie, wie wir sie alle (oft auch aus eigener Erfahrung) kennen. Eine ganz gewöhnliche Familie.

Nur – alle anderen Familien haben überlebt, gestritten, sich arrangiert oder sich versöhnt.

Die wirklichen Mordgründe wissen wir bis heute nicht.  Die Opfer aber sollten wir betrauern, die Überlebenden bemitleiden.

Die Täter … ach Herrgott, ich weiß es nicht. Es ist nur alles unvorstellbar schrecklich.

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Was uns Zahlen sagen können…


Drei Zahlen fielen mir in den letzten Tagen auf, die – wie immer im Politikgeschäft – mal so nebeneinander, man könnte auch sagen ohne Bezug – zueinander stehen.

Die erste Zahl  heißt 17,4 Milliarden. Das ist der Betrag, der über drei Jahre gestückelt, den Entwicklungsländern von allen EU-Ländern zur Verbesserung des Klimas zur Verfügung gestellt wird.

Die zweite Zahl ist der ersten sehr ähnlich. Sie heißt 16 Milliarden plus 1,5 Millarden, also 17,5 Milliarden. Das ist der Betrag, den das Land Bayern in die marode Landesbank Kärnten gesteckt hat und noch stecken muß.  Für diesen Betrag brauchte es wenig Diskussionen, nur  den Willen von Beckstein, Huber und mittlerweile Seehofer. ( Der will allerdings jetzt die erneut anfallenden 1,5 Milliarden nicht mehr zahlen und die Bank verscherbeln oder gar verschenken)

Die dritte Zahl heißt 20 Milliarden. Soviel kosten 180 Airbus-Militärtransportflieger, die 7 Nato-Länder in den nächsten 3-5 Jahren anschaffen wollen, müssen oder dürfen. ( Nicht dazugerechnet der Unterhalt, den die Flieger anschließend noch kosten werden)

Was läßt sich daraus folgern?

Zum Beispiel ist unseren Klimarettern in der EU  die Sache ungefähr gleich viel wert wie dem Land Bayern die Rettung der Kärntner Landesbank.

180 Militärtransportflieger sind auf jeden Fall mehr wert als die Kärnter Bank und die Klimaverbesserung in den Entwicklungsländern.

180 Flieger und die Bank sind mehr als doppelt so viel wert wie die Klimarettung in den Entwicklungsländern.

Das sind doch Aussagen, die zeigen, wo der Hype abgeht und wo nur der Pfeffer wächst.

Oder?

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